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IV. Der Wertgedanke.
kommen wird, daß die Werthaltung sich von den Teilen auf das Ganze,
von den Eigenschaften auf den Träger dieser Eigenschaften überträgt.
Nur ist, soweit wir von den Gesetzen solcher Übertragung haben Kenntnis
nehmen können,¹ nicht abzusehen, wie es bei solcher Übertragung zu
einer Subtraktion kommen kann, während es durchaus natürlich erscheinen
wird, wenn den gleichsam neu hinzutretenden Eigenschaften auch additiv
hinzutretende Werthaltungen (und ihnen dann etwa auch angemessene
Werte) entsprechen.
Wichtiger für den gegenwärtigen Zusammenhang ist indessen, daß
die fragliche Erweiterung die, etwa für das Beispiel von der Gesund-
heit, charakteristische Eigentümlichkeit zu verwischen droht, die darin
besteht, daß es sich da nicht um das Zusammentreffen mehrerer Eigen-
schaften, sondern um zwei Werthaltungen handelt, die sich genau auf
dasselbe Objekt beziehen, aber dadurch, daß ihnen die entgegengesetzten
Objektive zugrunde liegen, in natürliche Gegensätzlichkeit zu einander
treten. Es stellt sich hier eben der Seins werthaltung eines Objektes
die Nichtseinswerthaltung desselben Objektes gegenüber, die naturgemäß
das entgegengesetzte Vorzeichen aufweist wie jene. Versucht man nun
auch hier von den Werthaltungen zum Werte vorzudringen, so hat man
natürlich wieder zunächst den Eindruck, daß es sich bei Berücksichtigung
der zweiten Werthaltung nur um ein Hinzunehmen zur ersten, also bloß
um eine Addition und nicht um eine Subtraktion handeln könne. Nur
bringt die Gegensätzlichkeit des einen Vorzeichens es mit sich, daß das
additive Verfahren das Gegenteil des Natürlichen zu ergeben scheint.
Der negative Wert der mangelnden Gesundheit, mehr kurz als genau
ausgedrückt, müßte, wenn zum positiven Wert der vorhandenen Gesund-
heit addiert, eine Herabsetzung des Gesamtwertes ergeben, indes die
Berücksichtigung des Nichtseins, wie wir gesehen haben, nur auf die
Steigerung des resultierenden Wertes führen kann. Hier scheint also
Ehrenfels' Differenzformel doch im Rechte zu sein.
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Inzwischen hat ein Dissens darüber, ob Summe oder Differenz,
wenig genug auf sich, wenn die Differenzansicht den Subtrahenden
sogleich mit entgegengesetztem Vorzeichen einführt. Dem Versuche
Ehrenfels' freilich, den Differenzgedanken seinem „Gesetze der relativen
Glücksförderung" zustatten kommen zu lassen, steht alles entgegen,
was ich an anderem Orte gegen dieses Gesetz beizubringen hatte.
Dagegen bedeutet die ausdrückliche Einbeziehung des Vorzeichens ohne
Zweifel einen Fortschritt, der zunächst dem Erfassen der Abhängigkeit
des Wertes von der Werthaltung, dann immerhin auch der Allgemein-
heit der Aufstellung zugute kommt.
Natürlich ist es hier insbesondere das erste dieser beiden
Momente, das ins Gewicht fällt. Näher lehrt das Beispiel von der
1 Vgl. oben S. 83 f., 107 ff.
2 Gegen W. Strich, „Das Wertproblem in der Philosophie der Gegen-
wart", S. 38.
8 Vgl. Archiv f. systemat. Philos., Bd. II, 1895, S. 110 ff.
4,Über Annahmen" 2, § 48 ff.
