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III. Weiteres zur Wertpsychologie.
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haltung andererseits noch ein zum Zustandekommen des Werterlebnisses
unerläßliches weiteres Voraussetzungserlebnis einschiebt, zur Haupt-
voraussetzung also eine Nebenvoraussetzung hinzutritt, so muß nun noch
konstatiert werden, daß diese Nebenvoraussetzung nicht nur in der
Gestalt des Urteils „O hat Wert auftreten kann. Es war im voran-
gehenden wiederholt von der Werthaltung des warmen Ofens die Rede,
die auf die lustvolle Temperaturempfindung gegründet ist, die er im
Winter erweckt. Hier tritt als Nebenvoraussetzung, wenn man sich mit
einigermaßen schematischer Andeutung zufrieden gibt, das Urteil auf:
„O erweckt Lust". Die Lust kann dabei zur Zeit des Werthaltens ganz
wohl aktuell vorhanden sein und der Werthaltung sogar besondere Leb-
haftigkeit verleihen, aber auf das intellektuelle Erfassen der Lust wird
wohl in keinem Falle zu verzichten sein, wo neben der Lust noch von
einem Wertgefühl soll geredet werden dürfen ;¹ man hat es hier also
durchaus mit einem Seitenstück zu dem Urteile „O hat Wert" zu tun.
Die Lust oder natürlich auch Unlust, auf die solch ein Nebenurteil sich
bezieht, braucht, wie kaum bemerkt zu werden erforderlich ist, nicht
etwa eine sinnliche zu sein. Der Wert, den man einem Kunstwerke
beimißt, geht in ganz natürlicher Weise auf das Gefühl des Gefallens
zurück, das das Kunstwerk erregt, wobei man nur, obwohl es oft genug
geschieht, das so zustandekommende Wertgefühl nicht selbst für das
ästhetische Gefühl nehmen darf und ebenso wenig umgekehrt. In gleicher
Weise pflegt man ein Buch um des Interesses willen wertzuhalten, das
sein Inhalt wachruft, indes der vierte Analogiefall, vermöge dessen an
Stelle des sinnlichen, ästhetischen oder Wissensgefühles nun auch ein
Wertgefühl treten kann (so daß das Nebenurteil etwa die Form erhält:
„O wird wertgehalten", oder „kann wertgehalten werden" oder der-
gleichen), wieder auf die im vorigen Paragraphen betrachteten Fälle von
Werthaltungsvermittlung zurückführt oder wohl auch die Werthaltung,
die analogerweise vermöge dieser Nebenvoraussetzung zu resultieren
hätte, bereits vorwegnimmt. Auf alle Fälle ist also keine der Gefühls-
klassen aus dem Bereiche dessen auszuschließen, was an Gefühlen
intellektuell herangezogen werden kaun, um zu einer Nebenvoraus-
setzung für Werthaltungen zu führen. Von Übertragung kann aber natür-
lich auch bei solchen Vermittlungen nicht die Rede sein, wenn wir nach
wie vor den Ausdruck „Übertragung" dem Übergang von einem Wert-
tatbestand auf einen anderen vorbehalten.
Dagegen ist in den hier maßgebenden Nebenvoraussetzungen ebenso-
wenig wie bei den für die Werthaltungsübertragung maßgebenden das
emotionale Gebiet hinsichtlich dessen, worüber da geurteilt wird, ver-
lassen. Das verdient zunächst Beachtung mit Rücksicht auf Vermittlungen,
bei denen die Nebenvoraussetzung in das emotionale Gebiet nicht mehr
hereinreicht, indem da normaler Weise überhaupt nicht von Erlebnissen,
sondern von Momenten am wertzuhaltenden Objekte selbst die Rede ist.
Ich lege auf mein Taschenmesser Wert, weil es scharf ist, oder allgemein:
1 Vgl. A. Messer, „Psychologie", Stuttgart a. Berlin 1914, S. 308.
