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III. Weiteres zur Wertpsychologie.
Als besonders instruktiv bewährt sich hier der in dieser Hinsicht bereits¹
geltend gemachte Gegensatz zwischen Wissensgefühlen und Wertge-
fühlen. Wir haben gesehen, daß der nämliche Gegenstand (sowohl
seiner Objekt- als seiner Objektivseite nach) einerseits durch ein Wissens-
gefühl, andererseits durch ein Wertgefühl gleichsam angeeignet werden
kann, gleichwohl aber die Verschiedenheit der beiden Erlebnisse auf-
recht bleibt. Wir durften diese Verschiedenheit auf die Verschiedenheit
des Anteils von Voraussetzungsakt und Voraussetzungsinhalt zurück-
beziehen, ohne zu verkennen, daß gerade dieser Unterschied ceteris
paribus im Aspekte der betreffenden Gefühlserlebnisse nicht wohl zur
Geltung kommen könne. Dann bleibt aber für die Unterschiedenheit
der Gefühle nur noch die dieser Erlebnisse selbst übrig.
Eindringlicher noch könnte aber immerhin der Gesamteindruck
sein, den die Hauptklassen der Gefühle durch die innerhalb jeder dieser
Klassen auftretende Verwandtschaft trotz eventuell weitgehender Ver-
schiedenheit der (angeeigneten) Gegenstände, also der intellektuellen
Grundlagen machen. Einem Kunstwerke gegenüber ist eben dem
fühlenden Subjekte so völlig anders zu Mute als einer wohlschmeckenden
Speise gegenüber, wie immer jenes Kunstwerk und diese Speise
beschaffen sein mögen, daß eine Zurückführung auf die Verschieden-
heiten des jedesmal intellektuell Gegebenen denn doch wohl ausge-
schlossen erscheint. Eine solche Gegenüberstellung hedonischer und
ästhetischer Gefühle findet dann ihre Verifikation, sobald man vom
angeeigneten Gegenstande zum Eigengegenstande übergeht: das Ange-
nehme ist eben etwas anderes als das Schöne, welcher besonderen
Beschaffenheit immerhin das sein mag, das auf diese Attribute Anspruch
erheben darf.2
Die Anwendung auf die Wertgefühle ist bezüglich des Falles der
Identität zwischen dem Objekte eines Wertgefühles mit dem eines anderen
Gefühles im Hinblick auf ästhetische und Wissensgefühle bereits vollzogen
worden. Aber auch das Verwandte sämtlicher Wertgefühle untereinander
im Gegensatze zu sinnlichen oder ästhetischen Gefühlen kann aufmerk-
samer Betrachtung nicht wohl entgehen, unbeschadet anderweitiger Ver-
schiedenheiten, wie sie etwa gegenüber unserem Verhalten einerseits
zu ökonomischen, andererseits zu ethischen Werten auffällig werden.
Das Gemeinsame in ausdrücklicher Beschreibung hervorzuheben, hat
dann allerdings hier wie sonst so oft bei letzten Gegebenheiten seine
bis zur Unüberwindlichkeit großen Schwierigkeiten. Am ehesten mag
vielleicht auf eine gewisse Blässe und sozusagen Unaufdringlichkeit
der Wertgefühle hinzuweisen sein, vermöge deren diese namentlich
hinter sinnlichen und ästhetischen Gefühlen, zumal wenn diese größere
Stärke haben, für die Aufmersamkeit des Beobachters leicht zurück-
1 Vgl, oben II, § 7.
2 Vgl. St. Witasek, „Grundzüge der allgemeinen Ästhetik", Leipzig 1904,
S. 203, trotz dessen Eintretens für qualitative Gleichartigkeit der Gefühle.
3 Vgl. Th. Lipps' Beispiel vom fruchtbaren Ackerland gegenüber ethischer
Gesinnung, „Die ethischen Grundfragen", 2. Aufl., Hamburg u. Leipzig 1905, S. 83 f.
