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II. Die Werterlebnisse.
Beschaffenheit dieser Erlebnisse selbst zu suchen als Konsequenz jener
Anteils verschiedenheit: wir werden in der Folge auf Tatsachen geführt
werden, die mit einer solchen Vermutung im besten Einklange stehen.
§ 8. Objektiv, Objekt und Quasiobjekt der Wertgefühle.
Darf durch das Dargelegte für ausreichend geklärt gelten, daß
und in welchem Sinne die Wertgefühle nicht nur als Urteilsgefühle,
sondern näher als Urteilsinhaltsgefühle zu bestimmen sind, so ist nun
schließlich noch auf eine Determination dieser Gefühle hinzuweisen,
ohne die von einer sozusagen vollendeten Wertstellungnahme seitens
des Subjektes eigentlich noch immer nicht wohl geredet werden könnte.
Partizipiert ein Erlebnis im allgemeinen am Gegenstande seiner Vor-
aussetzung, so ist es selbstverständlich und übrigens durch die Erfahrung
auch allenthalben bestens beglaubigt, daß keinem Urteilsgefühl, im
besonderen also auch keinem Wertgefühl das Objektiv fehlen wird.
Nun scheint es aber, wo immer es sich um einen Wert handelt, auch an
einem Objekt für diesen Wert nicht fehlen zu dürfen, ja, dieses Objekt
drängt sich, wie aus den bisher verwendeten Beispielen allenthalben
zu ersehen war, der Aufmerksamkeit weit mehr auf als das Objektiv.
Von einem vollständig ausgebildeten Werterlebnis wird man erwarten
dürfen, daß es in seiner Beschaffenheit diesem Umstande Rechnung trägt.
Zunächst könnte man nun meinen, dieses Erfordernis müßte in
dem, wie eben erwähnt, niemals fehlenden Objektiv von selbst erfüllt
sein, da es ja streng genommen kein Objektiv geben kann, das nicht
unmittelbar oder mittelbar auf Objekte zurückginge.¹ Und bei Seins-
objektiven wird dies in der Regel auch ohne weiteres der Fall sein;
wie aber bei Soseinsobjektiven, denen ja, sofern sie nicht etwa zunächst
wieder auf Objektive zurückgehen, allemal zwei Objekte zugehören?
In der Tat kann ich z. B. ganz wohl Wert darauf legen, daß meine
Uhr richtig geht; aber welches der beiden hier in Betracht kommenden
Objekte hätte Anspruch, daraufhin eventuell als Wertobjekt betrachtet
zu werden? Das Prädikativ2 richtig gehend" offenbar nicht, das Sub-
jektobjekt „meine Uhr aber für sich offenbar auch nicht, da doch
nicht die Uhr kurzweg, sondern höchstens die richtig gehende Uhr das
Wertobjekt abgeben könnte. Das Objekt „richtig gehende Uhr“ aber,
kommt streng genommen in dem vorgegebenen Objektiv gar nicht vor.
Fernliegend ist ja freilich ein solches Objekt nicht: wenn sich aber
unser Wertverhalten ihm zuwenden soll, so wird dies an dem, was ich
eben das völlig ausgebildete Wertgefühl genannt habe, irgendwie zu
Tage treten müssen. Die Weise, in der dies geschieht, kann nicht
"
1 Vgl. „Über Annahmen“ 2.
2 Vgl. Über Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit" [Register].
""
Daß damit nichts anderes gemeint ist, als eben das Objekt, das in dem
fraglichen Objektiv Subjektstelle einnimmt, brauchte sicher nicht besonders gesagt
zu werden, hätte nicht A. Phalén den Ausdruck „Subjektobjekt" in einem
ganz besonderen Sinne angewendet (vgl. meine Ausführungen „Über Möglichkeit
und Wahrscheinlichkeit“, S. 418), demgegenüber es sich vielleicht empfiehlt, zu
bemerken, daß obiger Wortgebrauch damit ganz und gar nichts zu tun hat.
