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II. Die Werterlebnisse.
zwar vorliegt, aber kein Wertgefühl auslöst, weil der Ausübende an
die Aufrichtigkeit der Beifallsäußerung nicht glaubt; es liegt dies jedoch
außerhalb der Sphäre unserer augenblicklichen Interessen, die es ja
mit Fällen zu tun haben, wo Wertgefühle erlebt werden und nicht mit
solchen, wo diese nicht erlebt werden.
Hatten es die bisherigen Beispiele mit Werterlebnissen zu tun,
denen die Wertobjekte nahe standen bis zur Gegenwärtigkeit, so ist es
nun leicht, zwischen beide längere Zeitintervalle zu schieben, was für
die Kausalauffassung dann eine entsprechende Verlängerung der Kausal-
reihe zu bedeuten hätte. Der Musiker unserer früheren Beispiele hat
für sein Instrument nicht nur dann ein Wertgefühl, wenn es ihm sinnlich
gegenwärtig ist, sondern auch, wenn räumliche und zeitliche Ferne die
Wahrnehmung ausschließen. Eine Kausalverknüpfung zwischen Wertgefühl
und Wertobjekt ist hier mit Hilfe der Erinnerung eventuell noch herzu-
stellen; je länger aber so die Kausalreihe wird, desto dringender wird die
schon beim Ofenbeispiel aufgeworfene Frage, ob eine so vielvermittelte
Relation, wie die in Rede stehende Verknüpfung, einen so unvermittelten
Aspekt darbieten kann, und warum unter den nun noch viel zahlreicheren
kausalen Antezedentien gerade das bevorzugt ist, was als Wertobjekt auftritt.
Nun kann aber die Sachlage ganz wohl eine derartige sein, daß
das Wertobjekt auch nicht in irgend einem, gleichviel wie zahlreiche
Zwischenglieder einschließenden Sinne als die Ursache des Wertgefühles
betrachtet werden darf. Ich weiß von einem fernen Freunde, mit dem
ich nur nicht etwa in telegraphischer Verbindung bin, daß der heutige
Tag ihm die Erfüllung einer Lebenshoffnung bringen wird, und herzlich
Anteil nehmend begleite ich ihn in Gedanken auf diesem wichtigen
Stück seines Schicksalsweges. Daß ich dabei Wertgefühle erlebe, ist
hier ebenso außer Zweifel wie die Tatsache, daß, was sich eben erst
in der Ferne zuträgt, sich an mir nicht kausal betätigen kann.
Indessen gibt es nun einen noch viel leichter gangbaren Weg, sich
von der Unwesentlichkeit der Kausalverbindung, genauer von deren
Entbehrlichkeit für die Werterlebnisse als solche zu überzeugen, Sie
muß ja ohne weiteres einleuchten, wenn man Wertgefühle aufzuzeigen
imstande ist, die sich weder auf Gegenwärtiges, noch auf unmittelbar
Vergangenes richten, wodurch dann mindestens ein unmittelbarer, in
vielen Fällen aber auch jeder mittelbare Kausalnexus ausgeschlossen
ist. Nun gehören aber Erlebnisse dieser Art zum Allergewöhnlichsten.
Schon in seiner eigenen Vergangenheit hat ja jeder Erwachsene einen
Besitz, an dem auch dem Ärmsten gar manches, dem vom Glück
Begünstigten gar vieles wert sein wird. Noch selbstverständlicher mag
es sein, daß dem einigermaßen normal Veranlagten schon die ferne,
noch mehr aber die nahe Zukunft nichts weniger als gleichgültig ist,
da sich sein Interesse fast unausgesetzt derselben zuzuwenden pflegt.
In solchem Künftigen aber haben wir zugleich die Hauptgruppe jener
Fälle vor uns, die den Gedanken an ein Verursachen des ihnen zeitlich
vorangehenden Wertgefühles schon vermöge der Natur des Kausal-
gedankens nicht aufkommen lassen.
