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II. Die Werterlebnisse.
auf ein Sosein Wert legen kann, wie es im kategorischen Urteil erfaßt
wird: der Vorstand eines Laboratoriums zum Beispiel wird es sich
angelegen sein lassen, daß seine Instrumente und Apparate in gutem
Stande sind. Solches Sosein kann aber natürlich ebenfalls nicht existieren,
sondern nur bestehen. Vom kategorischen Urteil findet man sich von
selbst zum hypothetischen und disjunktiven Urteil geführt. Wer zwei
Räume durch eine elektrische Klingel oder ein Telephon verbindet,
betätigt damit, daß es ihm darum zu tun ist, in dem einen Raume
gehört zu werden, wenn er im anderen ein Zeichen gibt. Bei einem
Konkurrenzkampfe zwischen drei Bewerbern aber, von denen mir der
A und der B als tüchtig, der C als untüchtig bekannt ist, kann ich
ganz wohl wünschen, entweder der A oder der B möchte siegen. Nun
ist, daß, wenn ein Zeichen gegeben wird, es auch vernommen werde,
wieder nur etwas, das zwar bestehen, nicht aber existieren kann, und
mit der Disjunktion, daß entweder A oder B siegt, ist es auch nicht
anders bewandt. Um Existierendes freilich handelt es sich dabei in
diesen Beispielen immer noch, und ganz im allgemeinen wird für den
Wert die Existenz nach wie vor die Hauptsache bleiben; will man aber
genau sein, so wird man den Wert nicht auf sie einschränken dürfen,
sondern den Bestand mit einbeziehen müssen. Dies ist leicht zu leisten,
indem man, wo es auf genaue Formulierung ankommt, nicht speziell
von Existenz, sondern allgemein von Sein redet. Wertgefühle sind
insofern nicht speziell als Existenz-, sondern allgemein als Seinsgefühle
zu charakterisieren. [1]
§ 6. Denk- und insbesondere Urteilsgefühle.
1
Nun dürfte man sich aber bei dieser Aufstellung nicht beruhigen,
solange nicht mindestens noch eine Frage beantwortet wäre. Sie betrifft
die Art und Weise, wie das sonach für den Wert so bedeutungsvolle
Sein, respektive Nichtsein, insbesondere also die Existenz, respektive
Nichtexistenz des Wertobjektes mit dem Wertgefühle verbunden zu
denken ist. Hierüber hoffe ich nun allerdings bereits gelegentlich meiner
ersten werttheoretischen Aufstellungen Beweisendes beigebracht zu
haben; doch soll im folgenden versucht werden, das dort Dargelegte
noch zu präzisieren und zu vervollständigen. Als nächstliegende Antwort
auf die eben formulierte Frage bietet sich nämlich der Hinweis auf
kausale Verbundenheit des Wertgefühles mit dem existierenden Gegen-
stande dar, etwa nach Analogie dessen, was man sich immer noch gern
als das Wesen der Verbindung einer Sinnes wahrnehmung mit dem Wahr-
genommenen denkt. Sehen oder Hören, so meint man ja wohl, bestehe
einfach darin, daß das leuchtende oder tönende Ding im Subjekte
Empfindungen hervorruft: ähnlich könnte es nun bewandt sein, wenn
man auf ein Seiendes Wert legt, nur etwa mit dem Unterschiede, daß
das durch das Objekt Kausierte diesmal keine Empfindung, sondern ein
Gefühl ist. Warum nun ein solcher Gedanke unhaltbar und durch welchen
1 In den „Psych. eth. Unters. z. Werttheorie", § 7.
