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II. Die Werterlebnisse.
unbedenklich Wert im natürlichsten Wortsinne zuschreibt. Den Wert in
diesem Sinne muß, so scheint mir, die Werttheorie in erster Linie in
Untersuchung ziehen. Zeigt sich dann, wie ich ja sicherlich nicht bestreite,
eine gewisse Analogie zwischen ihm und den übrigen Dignitativen, so
ist dagegen, dem Worte „Wert" einmal auch einen weiteren Sinn zu
erteilen, nichts einzuwenden; die Einsicht in die charakteristische Eigen-
art des engeren Wertgebietes wird dabei aber nicht ohne Schaden ab-
handen kommen können.
Wie weitgehend die Bedeutungsverschiebung ist, die durch den
in Rede stehenden abgeänderten Wortgebrauch inauguriert würde, erhellt
besonders deutlich aus dem Sinn und aus dem Umfang, in dem Th. Haering
von logischen oder Wahrheitswerten redet. Nicht nur wahr und falsch
selbst, sondern auch wahrscheinlich, möglich, notwendig, real, gegen-
ständlich erscheinen da als „Wertprädikate", und im Grunde genügt
hier schon, wenn ich recht sehe, die bloße Aufzählung, davon zu über-
zeugen, daß unter dem Zwange solcher Zusammenordnung alle Teile
Schaden nehmen müßten. Zwar belegt der Autor die „Fruchtbarkeit"
seiner Aufstellung durch die Behauptung, daß im Begriff der Annahme
,, ein Erkenntniswerturteil . . ." enthalten ist.2 Ist aber, was bisher zur
Beschreibung der Annahmetatsachen von mir und anderen beigebracht
worden ist, nicht von Grund aus verfehlt, so ist die Annahme als solche
ein besonders auffälliges Spezimen der vielen Dinge, mit denen der
Wert, außer etwa sozusagen per accidens, nicht das allermindeste zu
tun haben dürfte. Fragt man ferner nach dem Motiv, das über das
Unnatürliche solcher Aufstellungen hinwegtäuschen konnte, so dürfte die
Antwort in der Weise zu finden sein, in der unser Autor das Wesentliche
des Wertungsvorganges zu kennzeichnen versucht. Wir wissen bereits,
daß er unter „Wertung“ nur das „Innewerden" eines Wertes versteht
„Jedesmal werden wir . . . des Verhältnisses der Zugehörigkeit (Sub-
sumierbarkeit) eines indifferenten Etwas (des Wertungsgegenstandes)
unter (in) eine >>Wertsphäre« inne . . . Im Wertverhältnis (das heißt als
>>Wert<<) tritt dieses Etwas zu einer bestimmten psychischen Struktur in
Beziehung (ordnet sich ihr ein), welche ich eben als >>Wertsphäre<< bezeich-
net habe... Dies gilt für alle Wertarten in derselben Weise. Etwas wird
als schön, gut, wahr, real usw. gewertet, weil oder indem es sich der
psychisch-dispositionell-repräsentierten ästhetischen, moralischen, Objek-
tivitäts- usw. Wertsphäre, die sich historisch im Individuum gebildet
hat und nachweisen läßt, einordnet, beziehungsweise als zugehörig (ein-
ordenbar) erlebt wird. "3 Sehe ich recht, so kommt es hier eben doch
überall auf die „Strukturen" respektive „Wertsphären" an und gar
nicht auf die „Subsumtion", die vielmehr an und für sich weder für
den Wert im allgemeinen, noch für das Wertvorzeichen im besonderen
etwas entscheidet. Was aber die Strukturen, Tendenzen, Dispositionen usw.
anlangt, deren historisches Werden sicherlich die Beachtung und die
1 Vgl. „Beiträge usw.", § 1 (bes. S. 5 f.), § 3.
2 A. a. O., S. 6.
3 ,,Beiträge usw.", S. 49.
