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I. Voruntersuchungen.
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gegenstände werden zu lassen, man redet da bekanntlich nicht selten
von „Verwöhnung", kann nichts daran ändern, daß, ehe die Gewöhnung
sich in dieser Weise betätigt hat, Güter vorlagen, die als solche Wert-
gegenstände, keineswegs aber zugleich Bedürfnisgegenstände waren.
Besonders zugängliche Beispiele, für die nur das Wort „,Luxus" kaum
mehr gut genug wäre, bieten Kunstgegenstände, die unbeschadet all-
fälliger Beziehungen zu unserer obigen fünften Gruppe¹ ganz wohl, wie
schon berührt, auch hinsichtlich persönlichen Wertes in Anspruch genom-
men werden dürfen. Auf den Besitz eines Original-Böcklin würde ich sicher
hohen Wert legen: ich erlebe aber nichts, was ich dahin deuten könnte,
daß ich ein Bedürfnis habe, das durch solchen Besitz befriedigt würde.2
Gibt es sonach Wert ohne Bedürfnis, so mag dies die Frage
nahelegen, ob nicht vielleicht auch Bedürfnis ohne Wert auftreten kann,
und es fehlt nicht an Erfahrungen, die solches glaublich erscheinen
lassen möchten. Man hat ja ohne Zweifel Bedürfnis nach Luft und
Wasser; dennoch gehören unter ausreichend günstigen Umständen so-
wohl Luft als Wasser zu jenen „freien Gütern", von denen man sagt,
daß sie keinen Wert haben. Immerhin ist hier indes die Sachlage doch
um einiges komplizierter. Dasjenige, dem da mit Recht Wert abge-
sprochen wird, ist ja das konkrete Quantum Luft oder Wasser, das
eben zum Atmen oder Löschen des Durstes dient. Man kann aber auch
nicht behaupten, daß gerade nach diesem konkreten Quantum ein Be-
dürfnis vorliegt, so daß hier der Mangel an Wert doch wieder mit dem
Mangel an Bedürfnis Hand in Hand geht. Es erwächst daraus nun
freilich eine gewisse Schwierigkeit, sich genauer davon Rechenschaft zu
geben, wonach man denn unter solchen Umständen das ja zweifellos
vorliegende Bedürfnis habe. Man antwortet wohl einfachst: nach Luft
„überhaupt“, nach Wasser „überhaupt", womit nur dann nicht etwa
der unvollständige Gegenstand³ Luft, respektive Wasser als solcher, das
heißt in seiner Unvollständigkeit verstanden sein darf, da sich das
Bedürfnis doch auf ganz konkrete Luft, respektive ganz konkretes
Wasser bezieht und nur durch den Wechsel der konkreten Bestimmun-
gen, also durch den Ersatz des einen Quantums durch ein anderes in
vielen Hinsichten nicht betroffen ist. Nun gilt aber, näher besehen,
das eben vom Bedürfnis Ausgeführte ganz ebenso vom Werte, was
allerdings die namentlich von der ökonomischen Wertbetrachtung meist
unberücksichtigt gelassene Konsequenz mit sich führt, daß auch die
„freien Güter" nicht in jedem Sinne wertlos sind. In der Tat scheint
sich gegen die Eventualität eines Bedürfnisses nach etwas, das keinen
Wert hat, eine ganz unmittelbare Evidenz geltend zu machen, indes
der Möglichkeit eines Wertes ohne Bedürfnis keinerlei vorgängiges
Bedenken im Wege steht.
1
1 Vgl. oben S. 8.
2 Andere hiehergehörige Beispiele bringen die „Psychol. eth. Unters. z.
Werttheorie", S. 8.
3 Über den Begriff des unvollständigen Gegenstandes vgl. „Über Möglich-
keit und Wahrscheinlichkeit" S. 181 f.
