§ 2. Wert und Bedürfnis.
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weisen können, je größer die Zahl der Tatsachen wird, durch deren
Aufdeckung die botanische Forschung der letzten Jahre trotz weitest-
gehender Zurückhaltung den Ahnungen Fechners unerwartet exakte
Stützen beigebracht hat. Außerdem stehen aber auch demjenigen, der
dem Pflanzenleben eine psychische Seite zuzutrauen Bedenken tragen
mag, immer noch zwei Wege offen, den oben bestimmten Bedürfnis-
gedanken ins Pflanzenreich zu übertragen. Man kann, immerhin zunächst
auf Grund physischer Analogien, den Pflanzen eine menschen- oder
tierähnliche Innenseite andichten und, diese Fiktion weiterführend, dann
auch von Bedürfnissen der Pflanze reden. Man kann aber auch ungenau
das als Bedürfnis an der Pflanze bezeichnen, was genau genommen
unser eigenes Bedürfnis an der Pflanze heißen müßte: insofern redet
man ja wirklich auch leichter von dem, was die Zier- oder Nutzpflanze
,braucht", als von Bedürfnissen beim Unkraut. Überdies lassen sich
aber diese beiden Gesichtspunkte, insbesondere aber der letztere, nun
auch auf das Leblose anwenden. Es war ja oben bereits darauf hinzu-
weisen, wie die natürliche Wortanwendung hier nicht leicht die Sphäre
dessen überschreitet, was mit menschlichen Bedürfnissen in ausreichend
enger Beziehung steht. Man wird also schwerlich fehlgehen, wenn man
im Bedürfnisse jedenfalls ein in der obigen Weise näher zu bestim-
mendes, innerlich Erlebbares sieht, das bloß unter Umständen, wie das
ja auch sonst oft genug begegnet, durch Übertragung eine Art schein-
barer Gebietserweiterung in die Sphäre des Leblosen hinein erfahren hat.
Es gilt nun nur noch festzustellen, ob der in dieser Weise geklärte
Bedürfnisgedanke gestattet, den Wert auf ihn zurückzuführen. Auf die
genauere Ausgestaltung einer solchen Zurückführung braucht nicht näher
eingegangen zu werden. Insbesondere ist es entbehrlich, dabei zu ver-
weilen, ob man die Zurückführung einfach durch die Bestimmung voll-
zieht, Wert habe etwas, sofern es der Befriedigung eines Bedürfnisses
dient, oder ob man zwischen Bedürfnis und Wert etwa noch den Begriff
des Gutes einschiebt, das heißt das, was das Bedürfnis befriedigen kann,
als Gut definiert, dem dann erst wieder unter gewissen Einschränkungen
Wert zuerkannt wird.¹ Man kann sich nämlich, soviel ich sehe, leicht
davon überzeugen, daß das Gebiet der Bedürfnisse schon ganz ohne
alle Einschränkung dem Gebiete des Wertes gegenüber viel zu eng ist.
Dies erkennt man, wenn man sich die Frage vorlegt, ob alles, worauf
wir eventuell Wert legen, uns auch abgeht, wenn wir es nicht besitzen,
respektive wenn es überhaupt nicht existiert. Wir werden auf diese
Frage in werttheoretisch genauerer Formulierung noch zurückkommen;2
für jetzt genüge der Hinweis auf die vielen Luxusgüter, von denen
der letzte große Krieg so vielfach hat erfahren lassen, wie leicht man
mit etwas gutem Willen ihrer entraten kann, ohne daß sie darum als
wertlos zu bezeichnen wären. Daß Gewöhnung so leicht den meist in
hohem Grade disteleologischen Effekt hat, aus Gütern dieser Art Bedürfnis-
1 Vgl. C. Menger, „Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, S. 2.
2 Vgl. unten III, § 2.
Meinong, Zur Grundlegung der allg. Werttheorie.
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