170 Anhang. (Baley, S. 92 f.) anfangs nicht der Größe und Gestalt des Dinges entsprechen. Wie tief das ins erwachsene Leben hineinreicht, beweisen Einstellungen auf Noten- schlüssel und Sprachen, wo Rekurs auf bedingende Erlebnisse erfahrungswidrig. Diese Anpassungen sind Produkte assoziativer Übung und umfassen sowohl Verhaltungs- weisen als Erlebnisse, unter diesen vielleicht auch Urteile, jedenfalls Gefühle Näher sind Urteile nur eine besondere Art, sich der Wirklichkeit (positiv wie negativ) oder dem bloß Gedachtsein anzupassen (Baley, S. 93 ff., 118), Gefühle sind es ebenfalls. Schein der Verbundenheit von Urteil und Gefühl also nicht auf besonderes Verhältnis zwischen beiden, sondern nur auf assoziative Verbindung mit Wirklichkeit zu deuten. Zur Kritik: I. Hauptgedanke ist Ausschaltung des Urteils als entscheidenden Faktors. Das bedeutet diese Ausschaltung nicht nur für Gefühl, sondern auch für Begehren, respektive Handeln. Auch dieses wäre einfach Anpassungsprodukt. An sich ist das undiskutierbar, da Anpassung ein nicht empirisch verifizierbarer Verlegenheits- gedanke. Man denkt sie sich aber als Produkt der Gewöhnung. Dann besagt die Position: alles Handeln ist gewohnheitsmäßig. Kein Vorzug des Verstandes vor Routine und Gedankenlosigkeit. Behauptung, Wissen sei Macht, wäre Irrtum. [Vgl. Martinak, „Psychologische Untersuchungen zur Bedeutungslehre", Leipzig 1901, S. 59-63; S. 60 die Hinweise auf Witasek.] Dagegen Analyse einfachen Paradigmas: Kutscher, der immer in Österreich gefahren ist, erhält Stelle in Deutschland. Er hat stets links ausweichen müssen; jetzt wird er einfach angewiesen, rechts auszuweichen und tut es. Wie hat hier Mitteilung Gewohnheit besiegt? Antwort etwa : er ist auch gewöhnt, Anweisungen zu befolgen. Aber doch nicht alle, er hat sicher weniger Anweisungen erhalten als Ausweichungen gesehen und gemacht. Wie kommt es, daß im Konflikt der Gewohnheiten, von dem man oft gar nichts merkt, stets Anweisung siegt, außer etwa. wenn er sich eben der Gewohnheit gedankenlos überläßt? Anderes Beispiel: Pendeluhr zeigt zu früh. Man habe sich gewöhnt, darauf- hin Pendel zu verlängern. Man tut es nicht, wenn jemand mitteilt, Uhr sei falsch gerichtet worden. Auch hier wieder Frage, was Gewohnheit zum Schweigen bringt. Am leichtesten sollte wohl Urteil durch Gewöhnung zu ersetzen sein, wo inductio per enumerationem vorliegt. Aber wenn ich die Instanzen nicht selbst erfahre, sondern nur Bericht höre, daß den x erfahrenen Instanzen y entgegen sind, entspricht den y [Gegeninstanzen] schon keine Gewohnheit mehr. Woher dann ihre Kraft? Allgemein: Intelligenz ist eben das viel feinere Instrument. Auch Gewöhnung kommt ins Spiel, es wäre aber Degradierung, sie allein ausschlaggebend sein zu lassen. Dabei obige Beispiele noch sehr einfach; man kann denken, wie bei Ent- deckungen von Wissenschaft und Kunst Gewohnheit versagt. II. Direkte Betrachtung der Anwendung auf Gefühl. Dazu dienen am besten die Fälle zum Vergleich, in denen oben Kausal- ansicht versagt hat, also: 1. Schwierigkeit, sich Gegenstand aus ganzer Kausalreihe heraussuchen zu müssen, besteht hier nicht. Dennoch ist auch bei Anpassung Verhältnis zwischen Gefühl und Urteil nicht eng genug. Baley legt freilich keinen Wert hierauf, wie seine Aufstellungen über psychologische Voraussetzung zeigen.