III. Weiteres zur Wert psychologie. § 1. Zur Beschreibung der 75 Werthaltungen. zu werden, Recht zu haben und so fort ebenso bestellt ist, versteht sich von selbst. " « Schließlich ist hier auch der übernommenen Wertungen noch einmal zu gedenken. Wie erwähnt, sind das, soviel ich érmessen kann, zunächst überhaupt keine Werterlebnisse, sondern bloß Urteile über einen Wert. Aus ihnen pflegen aber, worauf noch zurückzukommen sein wird, durchaus lebendige Werthaltungen hervorzugehen¹: das, von dem ich weiß, respektive zu wissen glaube, daß es Wert hat, werde ich leicht genug auch selbst werthalten. Soll also in solchen Fällen nicht etwa eben dieses Werturteil die eine (näher die primäre) „Stellung- nahme" sein, so haben wir es auch da nur mit einer einzigen Stellung- nahme zu tun; dennoch ist an der Vollständigkeit auch eines unter solchen Umständen auftretenden Werterlebnisses nicht zu zweifeln. Das Dargelegte scheint mir zum Erweise dafür auszureichen, daß Müller-Freienfels' Anforderung einer doppelten „Stellungnahme" keines- wegs bei allen Werthaltungen erfüllt ist. Auch eine einzige Stellung- nahme" reicht aus und damit kommen wir wieder auf das in den voran- gegangenen Untersuchungen herausgearbeitete, relativ einfache Wert- gefühl, die Werthaltung zurück. Den Ausführungen Müller-Freienfels' kommt aber gleichwohl das Verdienst zu, auf einen wichtigen Unter- schied an diesen Werthaltungen besonders nachdrücklich aufmerksam gemacht zu haben. Wir werden auf diesen Unterschied zurückkommen, wenn wir, wie im folgenden geschehen soll, den psychologischen Vor- aussetzungen der Werthaltungen näher zu treten versuchen. III. Weiteres zur Wertpsychologie. § 1. Zur Beschreibung der Werthaltungen. Es ist auch bei denjenigen Forschern, die als unser eigentlich charakteristisches Verhalten in Wertangelegenheiten das Gefühl an- erkennen, nicht eben gebräuchlich, dann noch zwischen Gefühlen ver- schiedener Art zu unterscheiden und nur ganz bestimmte Ausgestaltungen unseres Gefühlslebens den Werten spezifisch zuzuordnen². Im obigen ist dies durch Herausarbeitung des Begriffes des Wertgefühles und insbesondere des Begriffes der Werthaltung zu leisten versucht worden. Es wird sich unter solchen Umständen empfehlen, die Eigenart der unter diese Begriffe fallenden Erlebnisse in möglichst helles Licht zu rücken, indem hier zusammengestellt wird, was eine erste psychologische Analyse an diesen Erlebnissen zu ergeben scheint. Es kann dabei vorerst nur der Weg direkter Analyse beschritten werden, unbeschadet des primitiven Charakters einer solchen, immerhin in der Hoffnung, daß namentlich das psychologische Experiment sich auch in dieser Sache recht bald hilfreich erweisen möchte. - 1 Vergl. übrigens R. Müller-Freienfels selbst, a. a. O., S. 331 ff. 2 Eine Ausnahme macht, wie sich gezeigt hat, R. Müller-Freienfels.