6 I. Voruntersuchungen. - - Wert nachzusagen in der Lage ist, so wenig wird man sich doch dem Eindrucke verschließen können, daß wer von Wert spricht, wenigstens zunächst anderes als das bisher namhaft Gemachte im Auge zu haben pflegt. Um so leichter bieten sich dagegen in der Regel die Dinge dar, die schon das tägliche Leben mit Vorliebe als,,Wertgegenstände" bezeich- net, jene Kostbarkeiten von Gold und Edelstein, denen das Denken und Trachten der einzelnen wie der Völker sich stets so eifrig zugewendet hat, und denen das Unverhältnismäßige ihrer Bedeutung zu nehmen, vielleicht einer der wichtigsten Erfolge wahren Bildungsfortschrittes sein möchte. Das sind im ganzen Dinge von sehr großem Wert, denen man leicht andere an die Seite stellen kann, die vielleicht aus allerlei Gründen nicht geeignet sein werden, Bestandstücke eines Schatzes auszumachen, die aber ihren immerhin vielleicht geringeren Wert daran erkennen lassen, daß auch sie Geld kosten und daß für sie in der Tat auch Geld aufgewendet wird. Dieses Geld selbst, für das so erstaunlich vieles zu haben ist in gewissem Sinne bekanntlich sogar wieder Geld stellt sich dabei wohl gar wie der gewissermaßen konzentrierte, aller Nebensächlichkeiten, darunter freilich auch jeden Schimmers entkleidete Wert dar; aber auch wer nicht so weit gehen mag, findet leicht die Tatsachen, die eine Betrachtung unter dem Gesichtspunkte des Wertes gestatten, aufs engste und in ganz wesentlicher Weise mit jener menschlichen Tätigkeit verknüpft, die man mit dem Worte „wirtschaf- ten" zu bezeichnen pflegt. Man findet den Wert insofern dort, wo man wirtschaftet oder wirtschaften kann und man könnte daraufhin ver- suchen, die Gruppe der Werte, die uns jetzt beschäftigt, als die der wirtschaftlichen oder ökonomischen Werte zu charakterisieren. Inzwischen überzeugt man sich leicht davon, daß man Werttat- sachen der gegenwärtigen Gruppe auch dort antreffen kann, wo die wirtschaftende Tätigkeit keine Angriffspunkte mehr findet, mithin auch das Gebiet der Ökonomik überschritten ist. Wer einen kleinen oder großen Erfolg errungen hat, der wird darauf, daß ihm dies geglückt ist, einen entsprechend geringeren oder größeren Wert legen, aber normaler Weise jedenfalls irgend einen Wert, obwohl es sich hier um etwas Vergangenes handelt, das als solches wohl nicht mehr Objekt einer wirtschaftenden Tätigkeit sein kann. Ähnlich steht es mit an- deren Erlebnissen der Vergangenheit, zum Beispiel: Zusammentreffen mit bedeutenden Persönlichkeiten, überwundene Gefahren und anderes, jene Vergangenheitswerte, die zu dem Wenigen gehören, um das man mit zunehmenden Jahren wirklich reicher wird. Übrigens bietet aber die Vergangenheit zwar besonders handgreifliche, aber keineswegs die einzigen Fälle von Werten dar, die eine ökonomische Betrachtungs- weise nicht gestatten. Durchaus hiehergehörig und in keiner Weise an die Zeit gebunden ist vieles im Verhältnisse von Mensch zu Mensch: nicht nur vergangene Freundschaft ist mir wert, sondern noch mehr die gegenwärtige, und nicht nur die Freundschaft, sondern noch mehr der Freund. Und wie er mir wert ist um der Eigenschaften willen, aus denen sich in einer mir mehr oder weniger durchsichtigen Weise