§ 4. Übertragung und Vermittlung bei Werthaltungen. 99 die Verbindung zwischen den Gegengefühlen gelöst ist, auch die Gegen- fälle vor, so paradox auch namentlich der Gedanke des Glücksübels sich anlassen mag. Besteht die Zuordnung zwischen den Gegengefühlen, so muß natürlich derselbe Gegenstand sowohl Glücks- als Unglücksgut, respektive sowohl Glücks- als Unglücksübel sein. Vielleicht wünscht man am Ende dieser Darlegung eine Recht- fertigung, weshalb hier die Begriffe von Gut und Übel an die Wert- haltungen angeschlossen worden sind und nicht an den Wert. Wäre es nicht sowohl herkömmlicher als einfacher gewesen, das Gut als das zu definieren, was positiven, das Übel als das, was negativen Wert hat und demgemäß dann auch die Bestimmungen von Glück und Unglück auszugestalten? Und in der Tat kämen in dieser Weise sicher keine fehlerhaften Aufstellungen zustande. Nur einfacher würde man sie nicht wohl nennen dürfen, wenn man den weiteren Untersuchungen vor- greifend die natürliche Komplikation des Wertbegriffes in Rücksicht zieht. Das erhellt schon aus der Tatsache, daß im Wertgedanken, wie sich zeigen wird, jederzeit beide Glieder eines Gegengefühlspaares ein- bezogen sind, indes wir oben eventuell auch bloß mit einem Gliede eines solchen Paares unser Auslangen finden konnten. [25] § 4. Übertragung und Vermittlung bei Werthaltungen. [26] Wir haben im bisherigen an den Werthaltungen nur jene psycho- logischen Voraussetzungen berücksichtigt, die die Werthaltung gleichsam mit Objekt und Objektiv versehen, die wir darum als psychologische Gegenstandsvoraussetzungen der Werthaltungen betrachten durften. Da- durch ist bei vielen Werthaltungen insofern nichts vernachlässigt, als sie, worauf übrigens noch ausdrücklich zurückzukommen ist, andere psychologische Voraussetzungen als die Gegenstandsvoraussetzung über- haupt nicht aufweisen. Aber es gibt auch Werthaltungen, die hinsichtlich ihrer Voraussetzungen eine größere Mannigfaltigkeit zeigen. Den sich so ergebenden Gegensatz unter den Werthaltungen durch Beispiele klar zu machen, ist leicht. Es muß aber auch versucht werden, dem Wesen dieses Gegensatzes durch genauere Beschreibung näher zu kommen. Nichts ist gewöhnlicher, als auf einen Schlüssel Wert zu legen, und die betreffende Werthaltung zeigt dem die Existenz des Schlüssels erfassenden Urteile gegenüber unverkennbar jenes Verhältnis auf, das uns an den psychologischen Gegenstandsvoraussetzungen nun schon ausreichend geläufig ist. Aber der Schlüssel würde die Werthaltung sicher nicht auf sich ziehen, wenn der Verschluß, den er zu setzen oder zu beseitigen fähig ist, für in jeder Hinsicht wertlos genommen würde. Man hält also den Schlüssel wert, weil man etwa den Zugang in ein Zimmer werthält, den der Schlüssel ermöglicht. Ebenso hält man ein Kleidungsstück wert, sofern es vor Kälte schützt, man hält einen Apparat wert, sofern er eine gewisse wertvolle Leistung ermöglicht und so fort. Allgemein also: es ist ein Objekt P gegeben, das man werthält, außerdem aber noch ein Objekt O, das zu P in angemessener Relation steht und das man daraufhin ebenfalls werthält. Augenscheinlich 7*