§ 7. Inhaltsgefühle und Aktgefühle. 65 " Besonderheit immerhin in der Benennung zum Ausdrucke gelangen kann, wenn man es, nach St. Witasek¹ Wissenswertgefühl“ nennt. Was dagegen die eigentlichen Wissensgefühle anlangt, so könnte es nun bei ihnen wie bei den übrigen Aktgefühlen nächstliegend scheinen, in ihrem Voraussetzungsakte zugleich ihren Gegenstand zu vermuten. Aber die direkte Empirie zeigt die Gefühle unter normalen Umständen so wenig auf den Akt gerichtet, wie auf die Gesamtvoraussetzung. Versucht man es aber etwa bei einem angenehmen Vorstellungsakt- gefühl, nun den Voraussetzungsakt in ähnlicher Weise durch die Auf- merksamkeit hervorzuheben, wie oben den Voraussetzungsgegenstand, so hat dies höchstens eine Unterbrechung im ungestörten Ablauf des Gefühles, sicher aber wieder keine Steigerung der Annehmlichkeit zur Folge. So bleibt kaum etwas anderes übrig, als eben auch den mehr zurücktretenden Gegenstand als Gegenstand des betreffenden Gefühles gelten zu lassen, in dem immerhin vielleicht etwas beiläufigen Sinne, der hier vorerst nach altem Herkommen dem Worte Gefühlsgegen- stand" beigelegt worden ist. In der Tat, obwohl dem wirklich objektiven Historiker die Echtheit einer gewissen Urkunde nicht mehr am Herzen liegen darf als ihre Unechtheit, bleibt doch der Gegenstand, an den sein theoretisches Gefühl sich knüpft, eben das, was seine Forschung über die Urkunde festgestellt hat. Und auch sein Wissensbegehren, wie es sich etwa in einer Frage formuliert, hält sich an dieses gegen- ständliche Material: ich hatte bereits an anderem Orte darauf hinzu- weisen, wie wenig der Fragende sein Begehren eigentlich auf ein Urteil richtet, und wie das vulgäre ich möchte wissen" eigentlich eine irrige Beschreibung der unter normalen Umständen vorliegenden Sachlage in sich schließt [20]. " So ist also keineswegs ein eigenartiger Gegenstand dasjenige, was die Wissensgefühle gegenüber den Wertgefühlen charakterisiert. Leicht mag derselbe Gegenstand einmal einem Wissens-, einmal einem Wertgefühle zugehören, so daß man billig fragen mag, worin dann der meist so auffällige Unterschied im Aspekt der beiden Erlebnisse gelegen sein kann. Denn die erwähnte Verschiedenheit im relativen Anteil von Akt und Inhalt am Ergebnis kann in den Aspekt so wenig eingehen, als man es etwa einem geworfenen Würfel ansehen kann, in welchem Maße der Ausfall des einzelnen Wurfes durch die mehr oder weniger exzentrische Lage des Schwerpunktes bedingt war. Tritt Kausalität überhaupt nicht in die Erscheinung, so womöglich noch weniger das Gewicht der Teilursachen. Es wird also kaum anderes übrig bleiben, als das die beiden Gefühlserlebnisse von einander Unterscheidende in der 1 Vgl. „Grundzüge der Ästhetik", S. 255. 2 Auf eine andere Wortanwendung werden wir uns weiter unten ge- führt finden. Vgl. III, § 1. 3 Vgl. „Über emotionale Präsentation“, S. 97 f. 4 Vgl. auch meine Ausführungen über „,Phantasievorstellung und Phantasie" in der Zeitsschr. f. Phil. u. philos. Kritik, Bd. 95, 1889, abgedruckt in Bd. I der Gesammelten Abhandlungen, S. 193-271. Meinong, Zur Grundlegung der allg. Werttheorie. 5