80 Beschaffenheit erst wird das formal richtige Wollen auch zum innerlich richtigen, berechtigten. Auch kann ein richtiges Wollen dann erst eigentlich gut heißen, wenn es gefühlten Werten, nicht nur ihren intellektuell erfaßten Äquivalenten gerecht wird. Dem Gefühl erst ist das Wesen des Wertes zugänglich, durch gefühlsmäßige Präsentation auch wird erst das erfaßt, was als harmonischer Einklang der Einzelziele eine wesentliche Gestalt- eigenschaft des guten Gesamtwollens ausmacht; was davon rein intellektuell erfaßt werden kann, ist nichts als die Widerspruchs- freiheit des konsistenten Systems. Dem Willen rechnen wir das einzelne Wollen zu und werten ihn darnach. Eine Dispositionsgrundlage ist durch eine einzelne Leistung natürlich nur teilweise und meist sehr unvollständig gekenn- zeichnet. Sehe ich nur den äußeren Effekt, so kann ich sagen: sie war so, daß sie dies hat leisten können, also auch: es gibt Fälle, wo sie solches leistet auch das zu wissen, kann schon wichtig sein, insbesondere kann man aus der größeren Leistung auch auf die Disposition zur kleineren schließen. Ich weiß viel mehr, wenn ich erkenne, unter welchen hinzukommenden Umständen die Grund- lage sich so betätigt hat; denn nun darf ich vermuten, daß sie unter solchen oder ähnlichen Umständen auch sonst solches oder ähnliches leisten wird, ich weiß nicht nur, daß es Fälle solchen Ver- haltens gibt, sondern auch einiges darüber, unter welchen Bedingungen es auftritt. Je mehr an besonderen äußeren Bedingungen zum Zustande- kommen der Leistung gefordert ist, desto weniger charakteristisch ist sie für die Disposition; je weniger, desto mehr kommt in der Leistung gerade die Natur der Grundlage zur Geltung. Nach diesen allgemeinen Gesichtspunkten beurteilen wir einen Willen auf Grund seiner Handlungen. Und darnach bemißt sich der positive oder negative Beitrag zur Wertung des Willens, den eine seiner Handlungen liefert. ― Daß ein Wille unter den gegebenen Bedingungen A B C sich in der gegebenen Weise M verhält, das hängt in keiner Weise mehr von den Bedingungen ab, sondern ist einzig Sache des Willens: eine Eigenschaft, die ihn kennzeichnet. Trifft es für alle Menschen zu, so schreiben wir dieses Verhalten der menschlichen Natur zu und rechnen es, unter Menschen, dem einzelnen nicht weiter an; wir sind geneigt zu sagen, als Mensch müsse er sich eben so ver- halten. Gilt aber ein solches Verhaltungsgesetz Eigenschaften sind immer Verhaltens- oder Zustandsgesetze nur für einige Menschen, dann ist es für jeden von diesen umso charakteristischer, je weniger Menschen es mit ihm teilen, und endlich wird es individuelle Verhaltungsweisen des einzelnen Willens geben. Diese machen die Eigenart des individuellen Willens aus: es liegt an ihm und nur an ihm, daß er sich unter den und den Umständen gerade so und nicht anders verhält. Man sagt dann: ein Mensch kann sich unter den- -