70 anw: na w."1 Je größer die Zahl der Fälle, desto mehr wird sich der beobachtete Durchschnittsbetrag des realisierten Wertes dem Betrage a w nähern; es wird also im großen ganzen" des Geschehens der größte Wert realisiert werden, wenn in jedem Falle der größte Erwartungswert gewählt wird, wenigstens kann die Wahrschein- lichkeit dafür beliebig der Gewißheit angenähert werden, wenn man nur entsprechend viele Fälle in Betracht zieht.2 Natürlich sind bei den weitaus meisten unserer Handlungen weder Wert des Zieles noch Wahrscheinlichkeit in Maßzahlen gegeben, sondern jener ist uns irgendwie durch das Wertgefühl oder die Werthaltung, die Wahrscheinlichkeit aber durch die Stärke des vorgängigen Ver- mutens, daß das Ziel sich erreichen lasse, gegeben. Beides zusammen gibt eine Art Schätzung oder „Eindruck" der Bewährbarkeit, die sich günstigenfalls durch den mathematischen Erwartungswert würde charakterisieren lassen, jedoch nicht unmittelbar, so daß er die Maßzahl dieser Größe abgäbe. Der Erwartungswert selbst kann diese Maßzahl nicht sein, denn Bewährbarkeit ist eine Möglichkeit und hat ihre obere Grenze 1, er aber kann mit wachsendem Werte a für jedes gegebene w beliebig groß werden. Um das Bewährbarkeitsmaß zu finden, betrachten wir ein er- sonnenes Beispiel, dessen einfache Verhältnisse leicht zu überblicken sind. Bei einem Bestschießen seien auf verschiedene, abgestufte Leistungen verschiedene Preise a1, a2, a3, a in aufsteigender Reihe ausgesetzt, der höchste von ihnen a4 = A. Jeder Schütze dürfe nur um einen Preis schießen. Jemand, der der Reihe nach die Wahrscheinlichkeiten W1, W2, W3, W4 hat, die einzelnen Preise zu gewinnen, wird sich für den Bewerb um den ent- schließen, der ihm nach seinem Können den größten Erwartungs- wert bietet, das sei etwa ag mit der zugehörigen Wahrscheinlichkeit w3. Die größte Bewährbarkeit hätte aber offenbar das Unternehmen eines Schützen, der sicher wäre, den höchsten Preis A zu gewinnen; an ihr ist die Bewährbarkeit des Unternehmens unseres minder vollkommenen Bewerbers zu messen und die Maßzahl, die wir ihr zuordnen, muß den Grad ihrer Annäherung an jene höchste Bewähr- barkeit angeben. Die zu messende Bewährbarkeit entspricht einem Erwartungswert w3 as, die höchste in Betracht kommende dem Er- wartungswert A Ida hier w = 1 ist und so hat man für die - ―――――― - - 99 1 F. Hack, Wahrscheinlichkeitsrechnung, Berlin und Leipzig, 1914, S. 18 (die Zeiger bei a und w sind im Zitate als belanglos weggelassen). 2 Die Voraussetzung, daß unter den n Fällen, nach Abzug der n w günstigen Fälle, ,die übrigen nichts" einbringen werden, ist in unserer Überlegung allerdings nicht streng zutreffend, denn sie können und werden die verschiedensten positiven und negativen Werte bringen, über die sich aus unserer Voraussetzung, daß jedesmal der Erwartungswert a w bestand, nur nichts ergibt, und deshalb ist das Gesamtergebnis der zu erwartenden Mißerfolge nicht in Rechnung zu setzen.