43 so sein sollen" oder „es kommt ja doch, wie's kommen soll“. Die erste tritt besonders in Fällen auf, die wir zugleich als Fälle un- eigentlichen Wollens aufzufassen berechtigt sind: wenn man sich mit einer Tatsache abfindet, d. h. die willensmäßige Einstellung zu ihr findet. Die zweite muß durchaus nicht ein Ausdruck des Fatalismus sein. Was immer an unklaren Nebengedanken mit solchen Aussagen verbunden sein mag, das zeigen sie deutlich, daß der Begriff des uneigentlichen Sollens dem gewöhnlichen Denken nicht fremd ist. § 9. Das Wollen und die Bestimmtheit des Geschehens. 1. Begehrungsmäßiges Verhalten zu unbestimmten Sachverhalten. Die nächste der Voraussetzungen in § 8, 1, die zu prüfen sind, ist die Behauptung (1): Das Wollen geht auf bestimmte Sachverhalte. — Bestimmte Sachverhalte sind Tatsachen oder Untatsachen, Tatsachen und Untatsachen als solche können wir nicht im eigentlichen Sinne wollen: so scheint es, daß wir doch, da es ein eigentliches Wollen gibt, unbestimmte Sachverhalte wollen. Was zur Widerlegung dieses Scheins zu sagen ist, ist in § 1, 1 schon gesagt worden. Aber es mag, wenn ich nach eigener Erfahrung urteilen darf, mit diesem Scheine gehen wie mit manchem anderen: daß er, widerlegt, noch immer nicht aufgehoben ist und immer noch das Denken stört. So wird es nützlich sein, dem gewöhnlichen eigentlichen Wollen einen Fall gegenüberzu- stellen, wo in der Tat etwas wie ein Begehren eines unbestimmten Sachverhaltes vorliegt; man wird daran sehen, was von willensartigem Verhalten einem solchen gegenüber noch möglich bleibt. Ich kann urteilen 0 < 1, aber ich kann nicht urteilen x < 1, solange unter x nicht schon etwas entsprechend Vorbestimmtes verstanden ist; jedoch kann ich diesen unbestimmten Sachverhalt, als eine Bestimmung für x, annehmen. Der normale Ausdruck dieser Annahme ist „x sei kleiner als 1". Dieser Satz bringt keine Feststellung, sondern eine Festsetzung und Festsetzungen sind willkürlich". In der Tat kann hier, zugleich mit der Annahme, die ein rein intellektueller Akt ist, auch etwas Begehrungsmäßiges ausgedrückt sein. Ja es scheint, daß gerade hier das freieste Wollen schaltet; über nichts können wir so unbeschränkt und unbedingt erfolgreich verfügen wie über die Be- deutung von Zeichen zum mindesten für uns. Die Festsetzung, " 99 das Zeichen x soll eine Zahl, kleiner als 1, bedeuten", ist nun in der Tat ein Wollen. Aber dieses Wollen geht nicht auf eine Be- stimmung, sondern auf einen bestimmten Sachverhalt, der im Geltungsbereiche der Festsetzung tatsächlich besteht oder nicht: das Wollen betrifft ja nicht ein unbestimmtes x, sondern das Zeichen x, und das ist ein bestimmter Gegenstand, und es wird erfüllt, wenn - —