Einleitung. Im Urteil und im Wollen liegt ein Wagnis: die Tatsachen können uns recht oder unrecht geben. Wer wahr urteilt und wer erfolgreich will, hat's getroffen, sein Verhalten findet eine Bewäh- rung durch Tatsachen. Es ist mit ihnen in einem Einklange, der über den selbstverständlichen, daß alles Geschehen den Gesetzen der Tatsachen gemäß ist weil es eben tatsächlich ist weit hinausgeht. Dennoch rechnen wir solche bloß äußerliche Bewährung weder dem Urteil, noch dem Wollen sehr hoch an: sie mögen beide nur blindlings getroffen haben. Andererseits mag einem Urteil, etwa einer nach bestem Wissen gestellten Diagnose oder Prognose, die Bewährung versagt bleiben, so ändert das nichts an seinem Werte logischer Berechtigung; und es mag ein Wollen sein Ziel verfehlen und kann doch die Anerkennung finden und verdienen, daß es ein richtiges und rechtes Wollen war. Ist so, auf beiden Seiten, Berechtigung an Bewährung nicht gebunden, so ist sie doch gewiß nicht ohne Zusammenhang mit ihr : logisch richtigem Urteil und richtigem Wollen kommt eine sehr wesentliche Beziehung zur Bewährung zu, es wohnt ihnen vermöge ihrer eigenen Beschaffenheit eine überwiegende Bewährbarkeit inne und auf sie gründet sich ihre Berechtigung. Wenn einmal das innerlich Richtige unrecht und das innerlich Unrichtige äußerlich recht behält, so schreiben wir's dem Zufall zu und ändern unsere Wertung nicht. Der Wert der Berechtigung steht über dem Wagnis, er trägt jenen Mut der Überzeugung und des Wollens, der keinen Ausgang fürchtet. - - Urteilen und Wollen sind bestimmte Weisen, zu Gegenständen Stellung zu nehmen. Es gibt Bedingungen der Richtigkeit des Urteils, Gesetze richtigen Urteilens, die objektiv heißen müssen, weil sie ihren Grund im Wesen des Urteilens als dieser bestimmten Art von Stellung- nahme zu Gegenständen haben, daher bei gegebener Natur der Stellungnahme nur mehr von Wesen und Wesensbeziehungen der Gegenstände abhängen. Man ist längst gewohnt, sie der Logik zuzuweisen, findet sie in neuerer exakter Logik auch klar ausge- sprochen und unterscheidet diese durchaus rationalen, strengen Gesetze mit Sicherheit von den Annäherungen an gewisse Regel- mäßigkeiten im wirklichen Auftreten und Ablauf richtigen Denkens, wie sie die psychologische Beobachtung empirisch feststellen mag. In der Erkenntnis des Willens sind wir noch nicht so weit. Auch das Wollen ist ein bestimmtes Stellungnehmen zu Gegenständen und 1