Kapitel V. Konstruktionen unter besonderen Bedingungen. 139 von dieser besonderen Handhabung des Instruments abgesehen, ist die Ellipsenerzeugung damit gewiß nicht weniger einfach wie die oben besprochenen Konchoiden- und Zissoidenerzeugungen. Die Newtonsche Bevorzugung dieser Kurven (S. 96, 97) wegen ihrer leichteren Er- zeugung wird hinfällig. Eine allgemeinere Art der Erzeugung durch ein eingliedriges Instrument behandelt De la Hire¹): er läßt das bewegliche Stück mit einer Geraden durch einen festen Punkt gleiten, aber mit einem Punkte eine Kurve beschreiben. Von mehrgliedrigen Kegelschnittzirkeln erwähnen wir nur noch die zwei- und dreigliedrigen Ellipsen- und Hyperbelzirkel von Fr. van Schooten), die Fadenkonstruktionen der Kegelschnitte ³), einen auf einer Gradführung des Punktes V (Fig. S. 138) durch einen Gelenk- mechanismus und Kreisführung der Mitte von PV beruhenden fünf- gliedrigen Ellipsographen von Burstow¹), die projektiven Kegelschnitt- zirkel von W. Jürges 5) und von A. Schlamp 6), deren ersterer auf der projektiven Fundamentaleigenschaft der Kegelschnitte beruht, während der zweite die Erzeugung von W. Braikenridge und C. Mac- Laurin) verwendet: Drehen sich die Seiten eines Dreiecks um drei feste Punkte und beschreiben zwei seiner Ecken gerade Linien, dann beschreibt die dritte einen Kegelschnitt; ferner nennen wir diejenigen Kegelschnittzirkel, bei denen der Kegelschnitt als Schnitt eines Rotationskegels mit der Zeichenebene auftritt ), sog. Conographen, richtiger Conotomographen ") (d. i. Kegelschnittzeichner), Cevas Erzeugung der anomalen Zykloiden 10) s. S. 82º). Eine ---- und die Ausführung eines darauf beruhenden Instrumentes nicht unwahrschein- lich (s. v. Braunmühl 1. c.). Auch Guido Ubaldi (Planisphäricorum uni- versalium theorica, Pisauri 1579, p. 118) gibt ein solches an. Über räumliche Verallgemeinerungen s. Dupin, J. de l'éc. pol. 14 (1808), p. 45. - 1) Mém. de l'Ac. 1708, p. 32; s. auch Réaumur, ib. p. 197. 2) De organica conicarum sectionum in plano descriptione tractatus 1675. 3) Für die Parabel zuerst bei Isidor von Milet, für die Ellipse bei Al- 4) S. Stanley 1. c., Dyck 1. c., p. 230. hasan (850). 5) Schlöm. Ztschr. 38 (1893), p. 350. 6) Die Entstehung der Kegelschnitte nach Maclaurin und Graßmann. Pro- gramm. Darmstadt 1908. 7) S. hierüber E. Kötter 1. c., p. 15. 8) Zuerst bei den Arabern; s. Fr. Woepcke, Trois traités arabes sur le compas parfait, publiés et traduits, 1874; später bei Fr. Barozzi (1586), Bessoni (1578), Chr. Scheiner (um 1600), B. Bramer (1684), und in der neuesten Zeit hat noch Hildebrandt den Zirkel nacherfunden. (Dinglers polytechn. Journ. 282, p. 241; Dyck 1. c., p. 229.) 9) Nach v. Braunmühls Vorschlag, s. dessen historische Skizze dieser In- strumente in Schlöm. Ztschr. 35 (1890), Hist. litt. Abt. p. 161. 10) Dieses naheliegende, aber wegen seiner Vielgliedrigkeit nicht praktische Instrument hat auch Newton (Arithm. univ. 1732 Probl. XXIX); jüngst wurde es als Clausscher Winkel patentamtlich geschützt! (s. A. Korselt, Schlöm. Ztschr. 42 (1897), p. 276, 43 (1898), p. 318).