126 Vierter Teil. Höhere algebraische und transzendente Konstruktionen. das sind aber die Gleichgewichtsbedingungen für die drei Kräfte 1(A), I(B), I(C). Dasselbe gilt natürlich allgemein bei n Punkten. Für die konstruktive Ausgleichung einer Geraden aus mehr als zwei oder eines Kreises aus mehr als drei, eines Kegelschnitts aus mehr als fünf Punkten scheinen dem Bertotschen entsprechende ein- fache Verfahren noch nicht gefunden zu sein. Sie würden, wenn auch theoretisch von Interesse, doch praktisch schon zu kompliziert sein, um wirklich angewendet werden zu können. Zu sehr einfachen Ausgleichungen kommt man jedoch (wenigstens bei einfacher Überbestimmung), wenn man nicht nach der Gaußschen, sondern nach der Poncelet Tchebycheffschen Forderung ausgleicht: der größte Fehler soll ein Minimum sein. Z. B. ist dann der ausgeglichene Punkt zu drei Geraden der Mittelpunkt des einbeschriebenen Kreises; denn will man irgendeinen von dessen drei Abständen durch Ver- schieben des Punktes verkleinern, so vergrößert man damit immer wenigstens einen der anderen; und die Mittelpunkte der anbeschriebenen Kreise haben größere Abstände. Ebenso leicht findet man die aus- geglichene Gerade zu drei Punkten ABC als Mittellot der kleinsten Höhe des Dreiecks ABC. Denn bewegt man diese Gerade so, daß einer der Abstände abnimmt, so wächst ein anderer, und die beiden andern Mittellote haben nicht diese Eigenschaft. Für den ausgeglichenen Kreis zu vier nahe konzyklischen Punkten A, B, C, D bemerken wir, daß er gleiche Abstände von allen vier Punkten haben muß. Hätten z. B. die Punkte A und B verschiedene Abstände, so kann man unter Beibehaltung der Abstände von Cund D den Kreis offenbar stets so variieren, daß wenigstens der größere der Abstände von A und B kleiner wird. Außerdem müssen zwei aufeinanderfolgende Punkte auf entgegengesetzten Seiten des Kreises liegen, da man sonst in derselben Weise beider Abstände verringern könnte. Daraus geht hervor, daß es nur einen Kreis der verlangten Art geben kann: sein Mittelpunkt ist Schnitt der Mittellote der Diagonalen AC, BD des Vierecks ABCD, sein Radius das arith- metische Mittel der Abstände des Mittelpunkts von den vier Ecken.¹) Ebenso leicht ist seine Gleichung hinzuschreiben. Sind f(x, y) = 0, f2(x, y) = 0, f3 (x, y) = 0, f(x, y) = 0 die Gleichungen der vier Kreise BCD, ACD, ABD, ABC in der Normalform + y²-2a,x2b.y + c = 0, so ist f(x, y) = f(x, y) fi (XAYA) + f₁ (x, y) (i=1,2,3,4) 0 = f(x, y) fs (x, y) f2 (BYR) fs (XcYc) f (XD₁YD) die Gleichung des fraglichen Kreises, denn dieser Kreis hat gleiche Potenzen, also auch gleiche Abstände von den vier Punkten, und die 1) Böhmer 1. c., p. 37.