Kapitel II. Metrische kubische Konstruktionen. 97 leichter sie sich mechanisch beschreiben läßt; für ihn steht die Kon- choide hinsichtlich der Einfachheit der Beschreibung keiner Kurve außer dem Kreise nach. Betrachtet man die Auflösung der biqua- dratischen Gleichung mittels Kurven als ein Kapitel des graphischen Rechnens, mit dem Ziele, für Techniker, Rechner usw. prak- tische Auflösungsmethoden zu liefern, wie es heute in viel voll- kommenerer Weise durch die Hilfsmittel der Nomographie (s. u.) er- reicht wird, so ist der Newtonsche Standpunkt vollkommen berechtigt. Von demselben Standpunkte aus wird natürlich der größte und schönste Teil der Algebra, alles was sich auf die Auflösung der Gleichungen durch Radikale bezieht, ganz unwichtig, um nicht zu sagen wertlos, im Vergleich etwa mit der regula falsi oder ähnlichen Methoden der numerischen Auflösung. Durch diesen Vergleich wird es deutlich, daß der Wert des Descartesschen Satzes nicht nach der praktischen Seite, sondern vielmehr darin liegt, daß dadurch ein bestimmter algebraischer Zusammenhang erkannt wird; ganz ähnlich dem, daß Wurzeln kubischer und biquadratischer Gleichungen durch Radikale darstellbar sind; im Descartesschen Satze sind sie durch die Schnitt- punkte von Kegelschnitten, die noch gewissen Beschränkungen unter- worfen werden dürfen, darstellbar. Während man in der Algebra aus zwei Gleichungen mit zwei Unbekannten die eine eliminiert, wird hier umgekehrt eine Gleichung mit einer Unbekannten auf ein System von zweien zurückgeführt, die aber noch in vorgeschriebener Weise. von spezieller Art sind. Andererseits läßt sich eine kubische Glei- chung auch als Resultat der Elimination einer Unbekannten aus einer Gleichung dritten und einer ersten Grades ansehen. Smith ¹) äußert sich über diese Möglichkeit wie folgt: On admet ... que tout problème qui n'a que n solutions et qui n'est pas transcendental, peut se résoudre par des intersections de droites et de courbes de l'ordre n. Et en effet, la vérité de ces théorèmes paraît découler des premiers principes de l'Algèbre. Mais . . . il se présente un choix de méthodes . . .; ainsi l'on peut faire dépendre la solution de tout problème cubique ou biquadratique, soit des inter- sections de courbes du troisième ou du quatrième ordre par des droites, soit des intersections mutuelles de courbes de second ordre, puisqu'on a la même évidence algébrique de la généralité absolue des deux méthodes. On c'est la dernière de ces deux méthodes qui parait la plus simple, et qui a été, à juste titre, préférée par les géomètres. Ainsi, l'on a ramené la recherche des points d'intersection d'une droite par une courbe du troisième ou du quatrième ordre à la recherche plus simple des points d'intersections de deux coniques, tandis que personne, que nous sachions, n'a suivi la marche inverse, qui à la vérité serait 1) 1. c. p. 1. Vahlen: Konstruktionen u. Approximationen. 7