Kapitel III. Metrische kubische Konstruktionen. 79 - Mit kubische, aber nur spezielle biquadratische Gleichungen, durch Kegel- schnitte gelöst hatten.¹) Die Parabel ist bei seiner Auflösung sogar eine „feste"; d. h. ihre Gleichung von der aufzulösenden Gleichung unabhängig. Aber Fermat hebt diesen Umstand nicht hervor. Bewußtsein wurde die Beschränkung auf einen festen und beliebigen Kegelschnitt und sogar auf ein endliches Stück eines solchen von Descartes 2) vollzogen. Er begnügt sich damit, die reduzierte biqua- dratische Gleichung x¹+ax² + bx + c = 0 mit Hilfe einer festen Parabel y = p² und des Kreises x² + y²+bp²x+ ap² 1 p y+cp=0 zu lösen, dessen Mittelpunkt offenbar mit Lineal und Zirkel (oder bloß Streckenübertrager) konstruierbar ist. Die Lösung der reduzierten kubischen Gleichung x+ax+b=0 geht für c=0 aus der obigen hervor. Da die vier Wurzeln a₁, X2, X3, X4 der biquadratischen Glei- chung die Bedingung x₁ + x2 + x3 + x = 0 erfüllen, erhält man als Kriterium dafür, daß vier Punkte einer Parabel auf einem Kreis liegen: daß ihr Schwerpunkt auf der Parabelachse liegt.3) Girard ¹) führte die Auflösung kubischer Gleichungen auf Winkeldreiteilungen zurück, die er mit einer Hyperbel vollzog. Später löst Newton 5) die kubische Gleichung mit einer festen Ellipse oder Hyperbel, ebenso De la Hire 6) die biquadratische, aber in unzulänglicher Weise. Durch Alfhrist; s. Woepcke, Recherches sur l'hist. des sc. math. chez les Orientaux (Paris 1875), p. 28 ff. - - 1) Spezielle Probleme, die aber auf allgemeine (d. i. den allgemeinen äqui- valente) Gleichungen dritten und vierten Grades führten, hatten natürlich ohne Bewußtsein dieser allgemeinen Bedeutung schon Archimedes (Teilung einer Kugel in gegebenem Verhältnis, 1. c. I, p. 215, III, p. 152) und Apollonius (Von einem Punkte die Normalen auf einen Kegelschnitt zu fällen. Kegel- schnitte, Buch V) gelöst. 2) Geometria 1637 Appendix de cubicarum aequationum resolutione I, p. 345 ff. Geometria I, p. 85 ff., 325. Van Schooten in seinen Erläuterungen dazu. S. Cantor II, p. 736, 737. Auch R. F. de Sluse (Mesolabum, Leodii Eburonum, 1659) ist hier zu erwähnen. 3) S. auch Colson, Phil. Trans. Nr. 309, p. 2353; ferner R. Hoppe, Arch. Math. Phys. 56 (1874), p. 110, 69 (1883), p. 216 (für komplexe Wurzeln). Sind u + i v u + i w die Wurzeln der reduzierten biquadratischen Gleichung 2 9 2 x²+ax² + bx + c - = 0, so sind u, v, w zu finden aus 26 26 " w² = u² + 2 a И u ´u® + 2 au¹ + (a² — 4 c) u² — b³ =0, v² = u² ·+2a + also mit Parabel und Zirkel. A. Adler, Österr. Ingen. Archit.-Ver. Ztschr. 42 (1890), p. 146. Leiden 1884. 4) Invention nouvelle en algèbre 1629. 2. Aufl. v. H. Bierens de Haan, 5) Arithmetica universalis, Cantabrigiae 1707, p. 322. 6) Nouveaux élémens des sections coniques, Paris 1679, p. 400.