68 Dritter Teil. Kubische Konstruktionen. P, also der zweite P, d. h. die Gerade [YY] geht immer durch P. Das Zusammenfallen der Geraden [PX] und [PY] findet also nur statt, wenn die Gerade [PYY] Tangente des Kegelschnitts wird, und in diesem Falle wird nach Obigem diese Gerade [PX] = [PY] eine gemeinsame Tangente beider Kegelschnitte und der Punkt Y=Y Berührungspunkt der von P an & gelegten Tangenten. Damit ist die Richtigkeit der obigen Konstruktion bewiesen. Nunmehr lösen wir auf einem zweiten, zu einem wichtigen Schlusse führenden Wege die Aufgabe, das Poltripel zu zwei durch je fünf Punkte gegebenen Kegelschnitten zu finden. Man suche zu zwei beliebigen Geraden die ihnen in der durch R', " bestimmten Steinerschen Verwandtschaft entsprechenden Polkegelschnitte und trans- formiere wie oben projektiv so, daß der eine dieser Polkegelschnitte in den gezeichnet vorliegenden Kegelschnitt übergeht; der andere gehe in 2, die beiden Geraden in G, H, die Kegelschnitte in K', K″ über. Das Poltripel von und 2 liefert deren vier Schnittpunkte, von denen einer der Pol von (GH) ist. Die drei andern geben rück- wärts transformiert das Poltripel von ' und K". Man kann das so einrichten, daß 2 durch zwei fest gegebene Punkte I, J geht. Dazu nehme man von den zwei Geraden zunächst nur eine, transformiere ihren Polkegelschnitt in K, lege H durch die Pole von I, J bezüglich K', K"; dann geht 2 durch I und J. Letzteres ist auch dann noch ausführbar, wenn das Paar I, J nicht reell, sondern als gemeinsames harmonisches Paar von zwei sich trennenden Paaren AA', BB' gegeben ist (s. u.). Daß durch die Einführung der kubischen Fundamentalaufgabe keine anderen als kubische Irrationalitäten eingeführt werden, ist offenbar, da die Aufsuchung der vier Schnittpunkte zweier Kegel- schnitte algebraisch auf eine Gleichung vierten Grades, die Aufsuchung des gemeinsamen Poltripels auf deren kubische Resolvente führt. Umgekehrt muß gezeigt werden, daß durch die kubische Funda- mentalaufgabe alle Doppelverhältnisse konstruierbar werden, deren Koordinaten kubisch irrational in den gegebenen sind (projektiv kubisches Netz). Dazu ist zu zeigen, daß eine beliebige Gleichung dritten oder vierten Grades durch Aufsuchen des Poltripels oder, was nach Vorhergehendem dasselbe ist, der Schnittpunkte eines gezeichnet vorliegenden und eines durch fünf Punkte zu legenden Kegelschnitts aufgelöst werden kann. Diese Möglichkeit werden wir sogar unter der engeren Annahme dartun, daß der zu konstruierende Kegelschnit durch zwei fest gegebene Punkte I, J hindurchgeht. Und mit Rück- sicht auf die später zu machende Anwendung werden wir den Beweis für den Fall durchführen, daß die Punkte I, J konjugiert imaginär sind, woraus die Richtigkeit des Satzes für den Fall reeller Punkte nach dem Ponceletschen Kontinuitätsprinzip folgt (s. S. 52).