100 B. Besonderes etwas Selbstverständliches, die anderen dagegen sind der Mei- nung, daß dieser Satz ein physikalischer Erfahrungssatz sei.¹ Vom ersten Standpunkte aus ist ein perpetuum mobile eine denknotwendige Unmöglichkeit, vom zweiten Standpunkte aus dagegen wird das perpetuum mobile nur als empirisch nicht möglich angesehen. Wenn man die Eigentümlichkeit unserer Erfahrungswelt, aus gegebenen Parametern eine Funktion bilden zu lassen, die bei allen Veränderungen eines Systems konstant bleibt, als eine formale Aufgabe ansieht, wenn man meint, daß in einem Komplex von sich ändernden Parametern sich doch wohl mindestens eine Funktion finden lassen wird, die die Eigen- schaft der Konstanz besitzt, so erscheint allerdings die Energie- maßzahl als ein ad hoc erfundenes, mathematisches Produkt des auf Ökonomie eingerichteten Verstandes und weiter nichts, und es sähe wie ein Zufall aus, wenn diesem Erzeugnis unseres Gei- stes etwas Wirkliches in der Natur entsprechen sollte. Von diesem Standpunkte aus ist dann die Erhaltung der Energie eine Selbst- verständlichkeit a priori; es spielt die physikalische Energiefunk- tion E+E' + E''+·· nur die Rolle einer einfachsten Maß- zahl, die konstant bleibt, da andere, verwickeltere Maßzahlen z. B. (E+ E' + E" +...) oder e²+E'+E”+··· anzugeben sind, die ebenfalls die wesentliche Eigenschaft der Energie haben, zu allen Zeiten konstant zu sein. Andererseits aber ist es doch von vornherein nicht als sicher anzusehen, daß eine mit den Para- metern Masse, Geschwindigkeit usw. beschreibbare Natur derart abläuft, daß sich überhaupt eine Funktion finden läßt, die kon- stant ist; es könnte doch z. B. so sein, daß unsere Beobachtungen ergäben, alle bewegten Körper streben allmählich ohne sonst irgendwelche Veränderungen der Geschwindigkeit Null zu (so etwa dachten sich die Alten die mechanische Natur); dann würde also die Energiev dauernd abnehmen, ohne daß sich sonst et- was ändert, und es würde offenbar keine einfache Funktion m 1 Vgl. M. Planck, Das Princip der Erhaltung der Energie, Teubner, Leipzig 1913.