Energie 99 hochbedeutende Größe, die er nicht als bloße Fiktion seines aufs Einfache gerichteten Verstandes wird ansprechen wollen; ihm wird die Energie als etwas Greifbares vorschweben, dessen Wirk- lichkeit ihm so unzweifelhaft verbürgt erscheint, wie etwa die ob- jektive Festigkeit des Schwungrades einer Maschine. Dem Tech- niker erscheint der Energiebegriff, besonders in der Form der me- chanischen Arbeit, als eine anschauliche Größe und die sogenannte ,,Leistung", d. h. die in der Zeiteinheit geleistete Arbeit, ist ihm als,,Pferdestärke" etwas sehr Vertrautes und daher,,Reales". Zu dieser Sachlage ist zunächst zu bemerken, daß jede Energie- maẞzahl und damit die Energieeinheit vor manchen anderen phy- sikalischen Maßen, wie z. B. Geschwindigkeit, Masse usw. durch eine besondere Eigenschaft gekennzeichnet ist, dadurch nämlich, daß man willkürlich eine beliebige Konstante zur Energiezahl hinzuzählen kann. Bei der Geschwindigkeitsmaßzahl v eines Körpers relativ zu einem anderen wäre es eine Künstelei, wollte man etwa den Zustand der gegenseitigen Ruhe nicht mit v = 0, sondern mit einem endlichen Wert v = c definieren, bei der Ener- giemaẞzahl aber ist man geradezu in Verlegenheit, welche,,Ener- giemenge" als Null zu bezeichnen sei. Zwar ist es natürlich und ergibt es sich ungezwungen, die kinetische Energie eines Kör- pers gegen einen anderen, oder den,, Wärmeinhalt" auf bestimmte, einfachste Weise zu definieren und dasselbe ist mit dem tech- nischen Arbeitsbegriff der Fall, aber die ,,Energie der Lage", auch genannt potentielle Energie, sei dies in einem Gravitations-, elektrischen oder magnetischen Felde, ist schlechterdings nur durch reine Willkür mit einem Nullwert zu behaften. Wenn aber der,, Energiegehalt" eines Systems in der Natur nicht ohne höchst willkürliche Festsetzung von einem Nullwert aus zählbar ist, wie ist es dann glaubhaft, daß dieser Energiegehalt eine in der Na- tur vorhandene, für sich bestehende, unveränderliche Realität darstellt? Die Schwierigkeiten im Energiebegriff spiegeln sich auch in einem gelehrten Streite wider. Die einen behaupten nämlich, der Satz von der Erhaltung der Energie sei a priori und im Grunde