Temperatur. Energie 97 - - und zwar als eine gewisse, einfache Funktion von Maßzahlen physikalischer Einheiten, die z. T. einen direkten Empfindungs- inhalt besitzen, denen also innerhalb einer gewissen oberen und unteren Grenze (vgl. § 4) ein Wirklichkeitsinhalt der er- sten Wahrnehmungsstufe (vgl. § 2 S. 6) eigen ist. Die Maßzahl der Energie in dem oben betrachteten Fall ergibt sich also durch einen der Wahrnehmung fremden Akt unseres eigenen Verstan- des, welcher bei der Bearbeitung eines Wahrnehmungskomplexes auf etwas möglichst Einfaches, Denkökonomisches hinsteuert. Man kann auch so sagen, daß hier eine gewisse ästhetische Nei- gung unseres Denkens sich betätigt, die das Einfache aus dem Verwickelten herausschält, und so erscheint uns also die Maßzahl der Energie und an diese anschließend der Energiebegriff selbst als ein mathematisches Kunstprodukt, dem zunächst keinerlei Wirklichkeit als eben diese Eigenschaft, ein Erzeugnis unseres Verstandes zu sein, zuzukommen scheint. Daß aber die bei den Vorgängen in der Natur konstant bleibende Energiemaßzahl so wie angegeben mit der Maßzahl der anderen physikalischen Ein- heiten (Masse, Geschwindigkeit usw.) zusammenhängt, ist eine empirische Eigenschaft unserer Natur und keine Selbstver- ständlichkeit. Descartes glaubte noch, daß bei allen rein mechanischen Vorgängen das Produkt aus der Maßzahl m der Masse und der Maßzahl v der Geschwindigkeit (die sogenannte Bewegungsgröße) konstant bleibt, während erst spätere For- schungen ergeben haben, daß die lebendige Kraft v² vermehrt um die potentielle Energie diese Rolle spielt.¹ m 2 Die Erfahrung lehrt uns, daß nicht nur in dem schon früher be- trachteten mechanischen Beispiel, sondern auch in allen anderen Einzelfällen der Mechanik sich eine Maßzahl E aufstellen läßt, die die Eigenschaft hat, bei allen möglichen Lagen und Zuständen eines isolierten mechanischen Systems konstant zu bleiben. Fer- ner lehrt die Erfahrung, daß auch für andere Erscheinungsgrup- pen, wie z. B. elektrostatische Vorgänge, sich eine Funktion E' 1 Vgl. E, Dühring, Geschichte der Mechanik 1887, S. 159, 224 ff.