94 B. Besonderes der Butter, Blutwärme, Siedepunkt des Wassers, Siedepunkt des Quecksilbers usw." Diese Ordnungsreihe von Temperaturmarken ist nur weniger zweckmäßig, als eine Ordnungsreihe von Zahlen, und es ist klar, daß die bekannten Maßzahlen von Länge, Zeit, Gewicht usw. sehr bald die Physiker dahin bringen mußten, eine analoge Skala für die Temperaturen einzuführen. Die Schwierig- keiten, die hierbei auftraten, hat Mach a. a. O. eingehend dar- gelegt, und wir haben hier nur hervorzuheben, daß diese Skala an einen willkürlich herausgegriffenen Vorgang, die Ausdehnung der Körper, anknüpft: zu jeder Temperatur wurde eine Ausdeh- nung eines Normalkörpers zugeordnet und so eine Temperatur- reihe eindeutig mit ziemlicher Genauigkeit festgelegt. Das Willkür- liche und die nur näherungsweise exakte Festlegung der Tem- peraturziffern ist ohne weiteres klar, und auch das Willkürliche der Einheit, der Temperatur grad, wird deutlich durch den all- bekannten Umstand, daß nicht weniger als drei Temperaturskalen: nach Celsius, nach Réaumur und nach Fahrenheit, noch heute in Gebrauch sind. Was bei Raum, Zeit und Geschwindigkeit nur mit längeren Auseinandersetzungen klarzumachen ist, die nähe- rungsweise Definitionsfähigkeit des Begriffes und die willkürliche Art der Messung, ist bei der Temperatur leicht einleuchtend; so ist wohl Mach nur in Analogie zum Temperaturbegriff dahin gekommen, Raum und Zeit als,,Empfindungen" zu bezeichnen. Von der ,,physiologischen" Temperatur und der Ziffernskala der Temperaturen ausgehend, werden wir also nunmehr verleitet, die Eigenschaft der Zahlenreihe: unbegrenzter Aneinanderrei- hung und Teilung, auf die Temperaturskala versuchsweise zu übertragen und einen physikalischen Temperaturbegriff zu kon- struieren. Dieser Begriff, der sich von der physiologischen Tem- peraturempfindung losgelöst hat und nur auf der Wärmeausdeh- nung des Normalkörpers beruht, führt dann auch zur Maßzahl der Temperatur, die stetige differenzierbare Funktion der Zeit usw. ist und sonstige, unserem Verstand bequeme, denkökono- mische Eigenschaften hat. Die Erfahrung lehrt, daß dieser Be- griff in weiten Grenzen und mit weitgehender Annäherung dazu