80 B. Besonderes gang der Erdrotation hat sich empirisch als ein solcher heraus- gestellt, welcher die verschiedensten, ja, man kann sagen: alle gleichartigen Prozesse und Wahrnehmungen hinreichend ge- nau als gleich lang mißt. Er liefert daher eine sehr brauchbare Zeiteinheit, und nun macht die technische Messung der Zeiten keine prinzipielle Schwierigkeit mehr. Es ist klar, daß die so gewonnene Zeitskala, die auf der Gleich- artigkeit von Zeitinhalten begründet ist, unter Umständen ver- besserungsfähig ist. Sollte sich z. B. herausstellen, daß gewisse augenscheinlich völlig gleichartige Vorgänge, sagen wir etwa die Schwingungsdauer von Lichtarten (Spektrallinien), die Schwin- gungszahlen von Tönen, Pendelschwingungen und noch mehr Vorgänge alle miteinander im Laufe der Zeit systematische Ver- kürzungen erfahren, und sollte sich finden, daß diese systemati- schen Änderungen sämtlich in Fortfall kommen, und die ver- schiedenen Vorgänge eine gleiche Anzahl von Zeiteinheiten wieder ergeben, sobald ich willkürlich festsetze, daß meine Zeit- einheit, also die Dauer einer Erdrotation, durch eine andere ersetzt wird, indem ich vielleicht den 10¹ºten Teil einer Rotationsdauer von ihr abziehe, so werde ich in Zukunft nicht mehr den ganzen Tag, sondern den um die angegebene Zeitdauer verminderten Tag als Zeiteinheit festsetzen und damit den Anschluß an die früheren Messungen gewonnen haben. Natürlich wäre eine solche Festsetzung hypothetisch und nur erfahrungsmäßig, nicht a priori, zu prüfen. Die Messung einer Zeit relativ zur Zeiteinheit schließt also eine willkürliche Forderung in sich, nämlich die Forderung, daß gleichartige Vorgänge eine gleich große Anzahl von Zeiteinheiten ergeben sollen. Ich kann dies auch so aus- drücken, daß ich die Zeitmessung auf eine solche Zeitziffernskala gründe, welche mir möglichst denkökonomische, also mög- lichst einfache Zahlenresultate liefert. Dies sei noch an folgendem Beispiel erläutert. Die Bewegung eines fallenden Körpers im Vakuum ist bekanntlich durch die Formel s = gt ausgedrückt, wo s die Maßzahl des Fallweges, t