76 B. Besonderes Einzigkeit dieser Lösung. Der Anhänger des kritischen Stand- punktes, der die Einzigkeit seiner Lösung behauptet, erscheint nicht minder dogmatisch, als der im Gedankenkreis eines ge- schmähten Dogmatismus stehende, naive Realist, der Raum und Zeit nur für reale Eigenschaften realer Dinge hält. Das zeitliche Ordnungsschema werden wir versuchsweise und hypothetisch, mit dem Anspruch näherungsweiser Gültigkeit, auf die reale physikalische Folge der Naturerscheinungen über- tragen. Dies entspricht vollkommen unserem früheren Stand- punkt (vgl. S. 24ff.), wonach immer nur eine näherungsweise Übertragung eines subjektiven Ideals — und das ist das zeitliche Ordnungsschema-auf eine Wirklichkeit verbürgt ist; das schließt aber andererseits die Übereinstimmung zwischen Ideal und Wirk- lichkeit bis zu einem gewissen Näherungsgrade nicht aus. Mach¹ hat gelegentlich geäußert,,,daß Zeit (und Raum) physiologisch nur ein scheinbares Kontinuum darstellen und höchstwahrschein- lich aus diskontinuierlichen, aber nicht scharf unterscheidbaren Elementen sich zusammensetzen". Diese Ansicht bildet ein Gegenstück zu dem oben zitierten Ausspruch Lindemanns von der ,,erfahrungsmäßigen" absoluten kontinuierlichen Zeit. Von unserem Standpunkt aus können wir im Gegensatz zu dem auf S. 61 genannten kritischen Standpunkt — dem Sinn dieser Äußerungen Machs und Lindemanns als berechtigt zu- stimmen, ohne uns für die Richtigkeit des einen oder anderen zu entscheiden. Wir erachten aber, wie ein Räumliches, so auch ein Zeitliches als eine reale Eigenschaft des Realen. Eine Eigentümlichkeit des zeitlichen Ordnungsschemas ist es ganz besonders, die es uns nahelegt, ihm eine Bedeutung zuzu- schreiben, welche über das bloße,,Setzen" unserer Vorstellungs- inhalte hinausgeht. Wenn wir unseren Wahrnehmungsinhalt, das Chaos der Erscheinungen, als gegebene Wirklichkeit hinnehmen (vgl. § 2), so ist es doch auffällig und im höchsten Grade bemer- kenswert, daß das zeitliche Ordnen dieser Wahrnehmungsinhalte in einer eindeutigen, stetig ineinander übergehenden 1 Mach, Erkenntnis und Irrtum, S. 439.