70 B. Besonderes sei. Diese Idee erscheint widerspruchsvoll: wenn wir alle Mes- sungen relativ zu einer willkürlich herausgegriffenen Länge ma- chen, d. h. wenn wir alle Naturkörper an dieser einen Einheits- länge abzählen, so hat es praktisch gar keinen und ideell keinen klaren Sinn, die Einheitslänge selbst als eine,,feste“, d. h. als eine räumlich oder zeitlich unveränderliche, oder meßbare anzusehen. Offenbar ist die Unveränderlichkeit der Maßeinheit anders auf- zufassen sie soll zum Ausdruck bringen, daß die Maßeinheit, mögen wir sie behandeln wie wir wollen, beim Anlegen an einen bestimmten Naturkörper immer wieder auf die gleichen Maß- zahlen führt. Es ist eine besondere, schwierige Aufgabe der Metrologie, dafür zu sorgen, daß dieses Ergebnis auch technisch mit genügender Annäherung erreicht wird. Von besonderer Bedeutung ist der Umstand, daß die Wahl der Einheit willkürlich ist, wie die Erfahrung zeigt. Hätte der physikalische Raum nichteuklidische Eigenschaften, so wäre dies anders, dann wäre die Längeneinheit absolut. Im euklidischen Raume jedoch können wir nach Belieben mm, cm oder km usw. als Maßeinheit wählen, und wir haben nur die relativen Verhält- niszahlen dieser Einheiten untereinander zu berücksichtigen, um uns quantitativ im Raume zurecht zu finden. Es wurde bereits in § 3 erörtert, daß die physikalischen Eigen- schaften der Körper sich ändern, wenn wir nur ihre räumlichen Ab- messungen verändern. Während also der logische Raumbegriff der euklidischen Geometrie einen relativen Raum darstellt, ist der physikalische Raum absolut. Niemand vermag deshalb auch zu behaupten, daß der physikalische Raum etwa unendlich aus- gedehnt sein müsse, nur die Erfahrung kann hierüber ent- scheiden. § 14. Die Zeit. Raum und Zeit werden meist zusammen behandelt, und schon Kant erörterte sie gemeinsam. In der Tat sind die Eigenschaf- ten beider in mehrfacher Beziehung dieselben: jedes wird als Kontinuum aufgefaßt, beide sind unbegrenzt, beide sind in ihren Teilen meßbar, beide werden als primäre von den sekundären