Raum 67 Vergleichung von Längen eine (praktische oder ideelle) Messung der Länge, d. h. ein Abzählen der Längen an einer Längeneinheit, vorzunehmen.1 Dieses Verfahren des Messens ist nur außerordent- lich bequem und praktisch, wie dies stets der Ersatz einer Grö- Benskala durch eine Zahlenreihe ist. Ich könnte zur Charakteri- sierung der Strecken auch etwa nach dem Muster folgender Streckenskala verfahren, durch die jede beliebige Strecke mehr oder weniger genau in bestimmte Grenzen eingeschlossen und charakterisiert würde: Dicke eines Haares, Dicke eines Steck- nadelknopfes, Länge eines Roggenkorns, eines Maikäfers, eines Fußes, eines Unterarms (Elle) usw. Eine solche Streckenskala wäre eine Parallele zu der noch heute üblichen Härteskala oder zu der früher üblichen Temperaturskala, die durch Schmelz- und Siedepunkte einer Reihe von Körpern (Schmelzpunkt von Queck- silber, Eis, Öl, Butter usw.) festgelegt war. Es ist nützlich, sich klar zu machen, daß der Ersatz einer solchen primitiven Skala durch eine Ziffernskala nur für das Denken vorteilhaft ist, ohne daß dadurch eine tiefere Einsicht in das Wesen der Sache ge- wonnen würde. Denn die Ziffernskala tut nichts weiter, als daß sie die verschiedenen Größen mit einer Erkennungsmarke, einer Nummer, versieht, die auf ganz bestimmte Weise gewonnen wird; aber wir sind außerstande, mehr auszusagen, und können z. B. die Gleichheit zweier an verschiedenen Orten befindlicher Stangen nur in dem Sinne behaupten, daß beim Transport der einen Stange zur anderen (oder beim Transport eines Maßstabes von einer Stange zur anderen) Gleichheit der Stangen beobachtet wird. Die,,überall gleiche Beschaffenheit des Raumes" ist uns nur dadurch gegeben, daß die Größenbezeichnungen beliebiger Naturkörper untereinander vom Orte unabhängig sind. Wir können nur ideell einen einzelnen Körper an verschiedenen Stellen des Raumes seine Größe unverändert beibehalten lassen und konstruieren uns durch eine solche ideelle Voraussetzung einen euklidischen, überall homogenen Raum, den Newtonschen 1 In einer neueren Theorie von Weyl wird das Messen im Raum durch An- legen einer Maßstange verworfen; vgl. Annalen der Physik. Bd. 59. S. 101, 1919.