66 B. Besonderes der früher in § 5-7 geäußerten Ansicht, wonach die Bezug- nahme auf jedes Wahrnehmbare eine Unschärfe mit sich bringt. Die nur näherungsweise Gültigkeit jedes auf etwas Reales Bezug nehmenden Begriffs ist eine aus der Natur des Wahrneh- mungsaktes entspringende Eigentümlichkeit, und diese finden wir hier beim Raume der Physik wieder. So ist auch der physika- lische Raum nur ein näherungsweise bekannter und zu erfor- schender. Dieser physikalische, empirische Raum ist wohl zu trennen von den verschiedenen, ebenfalls empirischen physiolo- gischen Räumen und von dem aus diesen abstrahierten allgemei- nen Raumbegriff, der sich in die vielen mathematisch konstruier- baren Räume spaltet. Die Meinungen der verschiedenen Denker scheinen sich weniger einander zu widersprechen, als aneinander vorbeizugehen, indem das Wort Raum das eine Mal diese, das an- dere Mal jene Bedeutung besitzt; so denken z. B. in ihren auf S. 57 zitierten Äußerungen Gauß und Helmholtz offenbar an den phy- sikalischen Raum, Kant denkt an den allgemeinen Raum begriff, der Mathematiker Poincaré an die ihm naheliegenden, logisch möglichen mathematischen Räume und ihre Geometrien. Führt man irgendwelche Strecken x, y, z ein und bedeuten diese Buchstaben nicht nur eine Benennung, sondern auch eine quantitative Größe, sind also x, y, z... Maßzahlen von Strecken, so steckt in einer solchen Einführung einmal die Voraussetzung einer Längeneinheit (oder mehrerer Längeneinheiten, jede in Richtung einer Koordinatenachse) und x, y, z sind andererseits Zahlen, die angeben, wie viel Längeneinheiten sich längs einer Strecke x, y, z abzählen lassen. Das gilt, mag der Raum euklidisch, sphärisch oder hyperbolisch sein. Alle bisherigen Erfahrungen deuten nun darauf hin, daß das Abzählen der Längeneinheit an irgendwelchen physikalischen Längen unabhängig ist von irgendwelchen Vorgängen, auch unabhängig von der Ruhe oder Bewegung relativ zu irgendwelchen Naturkörpern; eine solche Abhängigkeit voraussetzen, wie dies die Relativitätstheorien tun, heißt die Beschreibung der Natur erheblich komplizieren. An und für sich liegt kein Zwang vor, zwecks Beschreibung und