Raum σι Frage in sich selbst hinfällig zu machen, Metaphysik hat keinen Platz mehr vom Standpunkt dieses Subjektivismus aus, genannt ,, kritischer" Idealismus. Dem intellektuellen Reiz dieser Lösung Kants kann man sich kaum entziehen, und auch bedeutende Naturforscher, wie z. B. Helmholtz, haben unter dem Banne der Theorie Kants gestanden. Trotzdem sind viele Naturfor- scher mit der Kantschen Lösung nicht zufrieden gewesen, und auch Helmholtz hat sich von Kant wieder abgekehrt und die Ansicht vertreten, daß die Sinnes wahrnehmungen,,Zeichen" für objektive, reale Vorgänge im Raume also doch wohl in einem realen Raume seien, deren Bedeutung wir durch Er- fahrung und Übung gelernt haben. Mach, der, wie Natorp¹ eingehend ausführt, viel mehr Kantianer ist, als er selbst merkte, hat Kants Raumtheorie mit Nachdruck bekämpft. Der Widerspruch der Naturforscher gegen den Kantschen Idealismus scheint weniger auf einer Notwendigkeit als auf Nei- gung zu beruhen. Es ist auffallend, daß die naturwissenschaft- lich interessierten Philosophen, wie beispielsweise Aristoteles, Descartes, Gauß, Helmholtz, Mach, alle in irgendeiner Form Realisten waren, während die illusionistischen und idea- listischen Philosophen keine oder nur geringere naturwissenschaft- liche, dagegen mehr formale Interessen besaßen; man denke an die alten Eleaten und Skeptiker, an Berkeley, Hume, Scho- penhauer. Was Kant anlangt, so entsprach er mit dem ursprünglichen ,,Ding an sich" noch seiner Beschäftigung mit den Naturwissen- schaften, er hat sich aber später, je mehr das,,Ding an sich" aus seinem Denken verschwand, von naturwissenschaftlichen Gegenständen ab- und mehr formalen und abstrakten Dingen zu- gewandt. Die Vorliebe der Naturforscher für einen Raum, der real für sich selbst ist, ihre ausgesprochene Gegnerschaft gegen idealisti- sche Ansichten entspringt offenbar der praktischen Betätigung ¹ Natorp, Die logischen Grundlagen der exakten Wissenschaften, Teubner, Leipzig 1910, S. 330 ff. Gehrcke, Physik und Erkenntnistheorie 5