60 B. Besonderes gisch widerspruchslose und daher logisch zulässige Raumgesetz- lichkeit von besonderen Eigenschaften. Das gewöhnliche Ord- nungsschema ist die euklidische Raumgesetzlichkeit, kurz ge- nannt Euklidischer Raum. Die anderen Räume, z. B. der von Bolyai-Lobatschewski, haben mathematisches und er- kenntsnistheoretisches Interesse; es ist bemerkenswert, daß die Eigenschaften unseres Sehraumes dem euklidischen Raume we- niger entsprechen als einem nichteuklidischen Raum.1 Die ver- schiedenen Geometrien beruhen jede auf einem für sie charakteri- stischen System von Grundsätzen, genannt Axiomen. Jedes System dieser Axiome ist so aufgebaut, daß es keinen inneren lo- gischen Widerspruch besitzt. Die verschiedenen Geometrien stel- len also logisch zulässige Systeme von Arten des Räumlichen dar, Kant würde sagen: Arten, wie das Mannigfaltige räumlich ge- setzt werden kann. Alle derartigen Geometrien sind als richtig zu bezeichnen. Besonders durch Hilbert und seine Schule ist die Durcharbeitung dieses mathematischen Gebiets, die Ent- wicklung der logisch zulässigen Konstruktionen von geometrischen Axiomen, in Angriff genommen worden. Nach diesen allgemeinen Betrachtungen über den Raum schlechthin wenden wir uns nunmehr zu unserem eigentlichen Gegenstande: dem Raume der Physik, d. h. zu demjenigen Raume, in welchem die physikalischen Vorgänge ablaufen. Zunächst entsteht hier die prinzipielle Frage: Wenn die physi- kalischen Vorgänge keine Illusionen, sondern,, wirklich“, „außer uns",,,objektiv“ sind, wenn sie also,,für sich sind", wie kann dann etwas Objektives, Reales in einem subjektiven Ordnungs- schema, das doch unser Raumbegriff darstellt, enthalten sein? Kant beantwortet diese Frage damit, daß er die Voraussetzung des,,Wirklichen",,,Seienden" selbst sozusagen als eine unserem Verstande eigentümliche erklärt; das,,Sein" ist nach Kant eine Verstandeskategorie, eine logische Weise, Mannigfaltiges zu,,set- zen", und nicht mehr. Dadurch gelingt es Kant, die ganze Dies bemerkte Mach, siehe Erkenntnis und Irrtum, Leipzig 1905, S. 330 ff. 2 D. Hilbert, Grundlagen der Geometrie, Teubner, Leipzig 1913. 1