Raum 59 den logischen Prozeß der Abstraktion gewonnenen Begriff der Raumanschauung verstehen; an diesen Begriff dachte offenbar Hume nicht, der seine Aufmerksamkeit einem physiologischen Raume zuwandte. Haben wir einmal den Raum begriff aus den einzelnen phy- siologischen Räumen herausgelöst, so hindert uns nichts, diesen Raumbegriff nach Belieben zu extrapolieren und bis ins kleinste zu interpolieren, also zum Begriff eines unendlich ausgedehnten, kontinuierlichen Raumes zu gelangen. Wir werden dann völlig mit Kant einig gehen, der den Raum als,,reinen Verstandesbegriff", und nicht als Gegenstand der Wahrnehmung, auffaßte. Dieser Raum kann gar nicht durch Wahrnehmung gegeben sein; im Wahrnehmungsbilde können nur Sinnesqualitäten, die mit den verschiedensten, auch raum- artigen Eigenschaften behaftet sind, erscheinen. Kant hat fer- ner betont, daß wir, die wir den Raum als Verstandesbegriff be- sitzen, a priori, d. h. unabhängig von der einzelnen Wahrnehmung, den Inhalt jeder neuen Wahrnehmung,,in gewissen Verhältnis- sen" ordnen, also den Inhalt der Wahrnehmung im Schema des Raumes aufbauen. Der Raumbegriff ist also ein logisch-kon- struktives Prinzip der Außenwelt, das Ordnungsschema aller Empfindungsinhalte. Das räumliche Ordnungsschema erstreckt sich nicht nur auf Wahrnehmungen selbst, sondern auch auf unsere Erinnerun- gen an Wahrnehmungen, und auf unsere gedachten Kombina- tionen von verschiedenen Wahrnehmungselementen. Solche Er- innerungen an Wahrnehmungen und deren kombinierte Elemente nennen wir Vorstellungen, und deshalb sind die auf etwas Räum- liches bezogenen Eigenschaften unserer Sinneswahrnehmungen auch den psychischen Reproduktionen derselben, den Vorstel- lungen, eigen. Das räumliche Ordnen ist nun in seinen Eigenschaften kein eindeutig vorgeschriebenes, sondern es bestehen, wie die neuere Geometrie feststellte, unendlich viele Möglichkeiten, räumliche Ordnungen vorzunehmen. Jede dieser Möglichkeiten ist eine lo-