Raum 57 - - ― haben keinen Begriff von Raum oder Ausdehnung, als insofern er ein Objekt des Gesichts oder des Gefühls ist"; Hume¹ bezeich- net die Behauptung, daß die Vorstellungen der primären Quali- täten (also z. B. des Raumes) abstrakt seien, als unfaßbar und widersinnig. — Descartes' läßt die räumliche Ausdehnung nach Länge, Breite und Tiefe ein Merkmal, und zwar das einzige der Materie sein. Nach Kant ist der Raum ein reiner Verstandes- begriff a priori, kein Wahrnehmungsgegenstand, sondern ,,die Form aller Erscheinungen äußerer Sinne", eine Art, wie das Mannigfaltige der Erscheinungen geordnet werden kann. Gauß meint, man müsse,,in Demut zugeben, daß der Raum auch außer unserem Geiste eine Realität hat, der wir a priori ihre Gesetze nicht vollständig vorschreiben können". - Stumpf vertritt die Ansicht,,,daß der Raum ursprünglich und direkt wahrgenommen wird wie die Qualität, da sie eben einen un- trennbaren Inhalt bilden". - Poincaré äußert, daß mit dem Empirismus in der Geometrie kein vernünftiger Sinn zu verbin- den sei, ganz im Gegensatz zu Gauß, der Experimente ersann, um das Parallelenaxiom der euklidischen Geometrie auf seine Richtigkeit zu prüfen. 5 So viel in aller Kürze über die verschiedenen Auslassungen der Forscher zum Raumproblem: Wir nehmen selbst Stellung dazu, wenn wir gemäß § 2 von der direkten Wahrnehmung ausgehen. Fassen wir etwa eine optische Wahrnehmung ins Auge, z. B. die beim Lesen dieser Zeilen. Dann ist folgendes ersichtlich: zusam- men mit der Qualität, z. B. der schwarzen Farbe der Buchstaben, nehmen wir räumliche Formen ursprünglich und direkt wahr. Wir stimmen also Stumpf bei und auch Berkeley und Hume, 1 Hume, Untersuchung über den menschlichen Verstand, Reclam, S. 191. 2 Descartes, principia philosophiae. Kant, Kritik der reinen Vernunft I, § 2. Gauß (vgl. Natorp, S. 325), Werke, Kgl. Ges. d. Wiss. Göttingen. Stumpf, Über den psychologischen Ursprung der Raumvorstellung, Leipzig 1873, S. 115. • Poincaré, Wissenschaft und Hypothese, deutsch von Lindemann, Teubner 1914, S. 81.