Physikalische Begriffe 55 elektrisierter, sich anziehender Kügelchen untersuche und finde, daß die Maßzahl der mechanisch gemessenen Anziehungskraft K, multipliziert mit dem Quadrat der Maßzahl der gegenseitigen Entfernung, eine Konstante ist, deren Wert durch den indivi- duellen elektrischen Zustand jeder der beiden Kügelchen be- stimmt wird; ich kann also setzen: K = const Die nähere Betrachtung zeigt dann, daß die Konstante in zwei Faktoren zerlegbar ist, deren jeder nur von einer der elektrisier- ten Kügelchen abhängt; jeder dieser Faktoren ist also durch den Zustand des anderen Kügelchens nicht zu beeinflussen und auch nicht durch dritte, vierte und mehr Kugeln zu ändern, wie die Erfahrung zeigt. So führt also die Beobachtungstatsache zu einer, den elektrischen Zustand eines Körpers charakterisierenden Maßzahl, der Begriff der elektrischen Ladung wird gebildet und bestimmt festgelegt. Auch primitive, physikalische Begriffe, deren Entstehen schwie- riger zu erörtern ist, dürften in ähnlicher Weise geschaffen wor- den sein: die (physikalische) Länge eines (physikalischen) Kör- pers, z. B. die Länge eines Holzstabes, kann aufgefaßt werden als entsprungen der subjektiven Neigung, etwas Einfaches, Kon- stantes aus dem Wahrnehmungsfeld, in dem sich der Holzstab befindet, herauszuheben, und das ist die für unsere Tastempfin- dung immer gleiche Länge, die der Stab in den verschiedensten Lagen, Umgebungen, Beleuchtungen usw. behält. Bei den pri- mitiven Begriffen ist das Einfache direkt durch Empfindung (Tastempfindung) gegeben, bei den komplizierteren Begriffen (wie z. B. oben bei der Energie) durch die einfachste Eigenschaft einer Maßzahl, die als Funktion von anderen Maßzahlen bekann- ter Begriffe, die direkten Empfindungsinhalt besitzen, auftritt, also erst mittelbar durch Empfindung. Die physikalischen Be- griffe erscheinen mithin als Abstraktionen, die sich der auf Ökono- mie eingestellte Verstand aus dem Komplex der Wahrnehmungs- inhalte herausschält, und die der Verstand dann wieder konstruk-