52 A. Allgemeines bringt an sich noch nichts Neues hinsichtlich des Werdeprozesses der Begriffe zustande. Durch die bewußtgewordene wissenschaftliche Arbeit aber werden auch neue physikalische Begriffe gebildet, die vorher nicht und erst recht nicht zu vorwissenschaftlichen Zeiten da waren. Solche Begriffe sind z. B. Entropie, Energie, magnetische Kraft und viele andere. Die Entstehung dieser Begriffe, welche Schöpfungen der Wissenschaft selbst sind, ist klarer und leich- ter zu untersuchen als die der primitiven; sie wird uns im einzel- nen später beschäftigen. Hier mag die allgemeine Frage nach den Motiven und Veranlassungen erörtert werden, die zur Bil- dung neuer physikalischer Begriffe hinführen. Die natürlichste Veranlassung zu neuen Begriffsbildungen ist eine neue, bisher unbekannte Naturerscheinung, also eine Ent- deckung. Eine solche war z. B. diejenige, daß gewisse Eisenerze, die in der Nähe der Stadt Magnesia gefunden wurden, die Fähig- keit haben, Eisenteilchen aus kleinen Entfernungen anzuziehen; bei diesen und den daran anknüpfenden einfachsten Erscheinun- gen des Magnetismus trat sogleich das Bedürfnis der Namen- gebung der Erscheinung (nach dem Orte der Entdeckung) und ihrer Einzelheiten auf (,,Magnet",,,Pole" des Magneten usw.); im Anschluß daran entsteht dann die weitere Frage, was man sich unter den so eingeführten Namen zu denken habe. Die letztere Frage, die bereits der theoretischen Physik ange- hört, pflegt auf primitiver Entwicklungsstufe gern durch ein seelisches Gleichnis beantwortet zu werden; so erklärten die Alten das Verhalten der Magnete durch,,Liebe“ und „,Haß“, insbesondere wurde auch der Magnetpol zum Sitz von Liebe und Haß. Diese Betrachtungsweise des seelischen Gleichnisses gehört nicht etwa nur einer fernen Vergangenheit an, auch moderne Forscher bedienen sich ihrer; wenn z. B. Zöllner¹ den Gedanken äußert, daß mit dem Übergang von potentieller in kinetische Energie eine Lustempfindung, mit dem von kinetischer in poten tielle Energie eine Unlustempfindung verbunden sei, wenn ¹ Zöllner, Natur der Kometen, Leipzig 1872, S. 326.