50 A. Allgemeines dieser Aufgabe ist zugleich die Bedingung der vollständigen Be- greiflichkeit der Natur." Fall 3 endlich läßt auch zeitliche Fernwirkungen zu. Ob diese je ein Physiker, der nicht Spiritist war, faktisch für möglich hielt, mag dahingestellt bleiben. Aber daß solche zeitlichen Fernwir- kungen zwecks formaler, mathematischer Beschreibung von Nutzen sein können, wird zuweilen angenommen. So bemerkt Picard¹, daß man die Mechanik einteilen könne in solche mit und ohne,,Vererbung"; in der Mechanik ohne Vererbung hängt der zukünftige Zustand eines Massensystems nur vom unmittel- bar vorhergehenden Zustand ab, in der Mechanik mit Vererbung dagegen von der gesamten Vorgeschichte des Systems. Beispiele für Vererbung in der Physik sind die elastische Nachwirkung, die magnetische Hysterese u. a. Andererseits meinte Painlevé², daß die Probleme der Vererbungserscheinungen nur scheinbare Probleme seien, weil sie nicht auftreten würden, wenn man eine vollkommenere Kenntnis von der Konstitution der Körper hätte. Man wird aus dem Dargelegten zweierlei ersehen: daß die kau- sale Betrachtungsweise in der Naturwissenschaft unentbehrlich neben der formalen, konditionalen besteht, und zweitens, daß die kausalen Bedingungen eines physikalischen Ereignisses, die eigentlich physikalischen Bedingungen, nichts anderes als eine spezielle Art von konditionalen Bedingungen sind, die sich als zeitliche und räumliche Differentialverknüpfung charak- terisieren lassen. Für den Konstrukteur, den Techniker, den Mathematiker, der lediglich die Natur beherrschen, d. h. künftige Ereignisse voraussehen und voraussagen will, ist jede Form der Bedingungen eines Problems recht, wenn sie ihn nur möglichst schnell und einfach zum richtigen Ergebnis hinführen; ja, für diesen Zweck können die nach mathematischen Grundsätzen ¹ Picard, La mecanique classique et ces approximations successives. Revista di Scienca (Bologna) 1, 4, 1907. Painlevé, De la methode dans les sciences, Paris (Alcan) 1909; s. auch Wiechert, Wied. Ann. 50, 335 und 546, 1893.