48 A. Allgemeines Der Experimentator, der Techniker, der Ingenieur wird sich nur ungern mit der konditionalen Theorie begnügen, er wird erst dann Sicherheit des Handelns gewinnen und befriedigt sein, wenn er auch eine kausale Theorie hat. Erst in diesem Moment hat er die Sache,,verstanden". Der Formalist, der Mathematiker, der reine Theoretiker dagegen wird mit der konditionalen Theorie zufrieden sein. Er wird sie sogar für besser halten als die kausale: sie arbeitet eleganter, der mathematischen Ökonomie besser angepaßt, ist weniger schwerfällig und wirkt gleichsam zauberhaft: der Ver- stand erscheint hier so recht als der Herr der Materie. Darin liegt eine Gefahr: es entsteht leicht eine Überschätzung des Verstandes gegenüber dem Wert der Tatsachen, eine Mißachtung der kausalen Betrachtungsweise, noch dazu scheinbar geschützt durch die Erwägung, daß doch auch das Kausale in letzter In- stanz nur konditional (in zeitlicher Nahewirkung) ist. Die kausale Naturbeschreibung ist oft bekämpft worden, und seit Humes Analyse der Kausalität sieht man Fragestellungen nach der Ursache einer Erscheinung mit Mißtrauen an. Natürlich sind die von Hume aufgezeigten Schwierigkeiten im Kausalbe- griff nicht zu bestreiten, und wir trugen ihnen bereits oben Rech- nung, indem wir die kausale Betrachtungsweise als Spezialfall der konditionalen bezeichneten. Aber ebenso unbestreitbar ist es, daß die historische Entwicklung der modernen Physik und Naturwissenschaft deutlich zeigt, daß die kausale gegenüber der allgemeinen konditionalen Verknüpfung der Naturvorgänge nicht zu entbehren ist. Wir können die verschiedenen Verknüpfungsmöglichkeiten. von Naturereignissen in folgendes Schema bringen: Wir denken uns irgendwo im Raume bei A einen physikalischen Zustand a zur Zeit t und ferner irgendwo im Raume bei B einen Zustand b zur Zeit t + T. Dann sind, falls der physikalische Zustand b von dem Zustand a bedingt wird, folgende Verknüpfungsmöglichkei- ten zwischen beiden denkbar: 1. Der Zustand b hängt vom Zustand a nur dann ab, wenn b dem a zeitlich und räumlich benachbart ist (also τ = + St;