Naturbeschreibung 43 Bedingungen vorausberechnen können; dann beherrschen wir den Naturvorgang. Das Ideal einer solchen Beschreibung ist so- mit ein mathematisches (vgl. § 9), und es ist verständlich, wenn die Naturforscher und Mathematiker in gemeinsamer Arbeit ver- bunden sind. dx Trotzdem sind die Deduktionen des Mathematikers von denen des Naturforschers sehr verschieden: ist doch der Gegen- stand des Mathematikers das unendliche Feld der logischen Mög- lichkeiten, der Gegenstand des Physikers der eindeutige Ablauf der Natur. Um den Unterschied klar zu machen, möge ein Bei- spiel ins Auge gefaßt werden: es handle sich darum, die Bewegung eines fallenden Steines zu beschreiben. Die mathematische Beschreibung kann auf verschiedenen Wegen erfolgen, z. B. da- durch, daß die Geschwindigkeit dt =gt vorausgesetzt wird. Da- mit ist die vollständige Bedingung für die Bewegung gegeben, diese ist eindeutig festgelegt und läßt keine Mehrdeutigkeit mehr zu. Durch rein formale Methoden des Integrierens obiger Glei- chung lassen sich Folgerungen ziehen, die darum richtig sein müssen, weil sie logisch nur in eindeutiger Weise weiter zu führen sind und auf richtiger Grundlage stehen. Die physikalische Beschreibung aber ist hiermit nicht zu- frieden, ihr genügt nicht nur die Anführung von logisch hin- reichenden Bedingungen und Schlüssen, die zu einem richtigen Ergebnis führen, sie verlangt, daß die Bewegung des fallenden Steines kausal begriffen wird. Eine kausale Beschreibung würde etwa so ausfallen: der Stein erhält in jedem Augenblick zu seiner augenblicklichen Geschwindigkeit einen Zusatz, er erfährt eine Beschleunigung g, die durch die Anwesenheit der gravitierenden Erde bedingt ist und (in erster Annäherung) als konstant, von der Fallhöhe unabhängig, angenommen werden kann. Das Charakteristische hieran ist das Kausale, d. h. das Streben nach der Angabe des Grundes, der in jedem Zeit moment den Bewe- gungszustand gegenüber dem Bewegungszustand im vorher- gehenden Zeitmoment bedingt.