42 A. Allgemeines trächtliche Bruchteile eines Tages fortschreiten lassen, ohne daß die Geburtenmenge nur um die Zahl eines einzigen Geborenen wüchse. ... Aber jedermann wird zugeben, daß es schon für Gebiete, auf denen täglich nur wenige Geburten stattfinden, eine sehr geringfügige Entstellung ist, wenn man das Hinzutreten je eines Geborenen so über eine kleine Zeitstrecke ausdehnt, daß in keinem Zeitpunkte der Zuwachs zur Geburtenmenge ganz auf- hört. Indem wir diese Vorstellung uns aneignen, dürfen wir die Geburtenmenge als eine stetige Funktion der Zeit betrachten, ohne daß der Natur der Sache ein wesentlicher Zwang auferlegt würde." Also kurz gesagt: Knapp setzt die Zahl der Geburten pro Zeiteinheit willkürlich als stetige Funktion der Zeit an, und zwar ist dieser Ansatz bequem und näherungsweise zutref fend. Ebenso setzt man z. B. die zerfallende Menge radioaktiver Substanz F = Foe-2, also gleich einer stetigen Funktion der Zeit, obwohl der Zerfall bei genauerer Betrachtung diskonti- nuierlich erfolgt. Die heutige Physik löst alle Vorgänge an physikalischen Kör- pern in atomistische, unstetige Teilprozesse auf und läßt bei Be- trachtung sehr großer Mengen von Materie, wie in der Elektrizi- tätstheorie, Hydrodynamik usw., die Idee des — hier hinreichend genauen Massenkontinuums zu. Andererseits aber setzt die heutige Physik in den Differentialgleichungen der Mechanik und Elektrodynamik implicite Kontinua von Raum, Zeit, Be-' wegung, elektrischer Kraft usw. voraus. Möglicherweise wird auch hier einmal eine Feinzerlegung in,,Atome" vor sich gehen. Aber der Gedanke wäre kühn, daß irgendein, sei es kontinuier- liches, sei es diskontinuierliches Elementar teilchen oder ein Ele- mentarbegriff als letzte Realität in der Physik anzusprechen wäre, daß also der wirklichen Natur ein Gedanke adäquat entsprechen könnte. § II. Konditionale und kausale Naturbeschreibung. Die Beschreibung eines Naturvorganges ist vollständig, wenn wir ihn in allen seinen quantitativen Einzelheiten aus gegebenen