26 A. Allgemeines schen Größen, der Zahlen. Betrachten wir z. B. die Zahl 5. Diese Zahl bedeutet einmal genau 5; also auch nicht ein Deut mehr oder weniger als 5. Andererseits bedeutet diese Zahl: 5 Einheiten. Und zwar ganz allgemeine, völlig unbestimmt ge- lassene, willkürliche und beliebige Einheiten. Wir sehen also, daß die Zahlengrößen der Mathematik genau oder exakt, und mehr deutig oder relativ sind: genau wegen ihrer nicht im ge- ringsten approximativen Bedeutung, mehr deutig wegen der gänzlichen Freiheit hinsichtlich der Einheit. Auch die Figuren der Geometrie sind einerseits scharf defi- niert und andererseits unendlich vieldeutig. Beispielsweise be- zeichnet der Kreis eine in seinen Eigenschaften exakt festgelegte Kurve, und andererseits ist der Begriff und die geometrischen Eigenschaften des Kreises frei von seiner Größe (in der eukli- dischen Geometrie). Wir wollen nun den Gegensatz zwischen mathematischen und physikalischen Größen noch an folgendem Beispiel verdeutlichen: Eine bestimmte Länge, die etwa den Radius eines mathemati- schen Kreises darstellt, ist etwas völlig scharf Definiertes, das die- se Länge von jeder anderen Länge (etwa den Radius größerer oder kleinerer Kreise) unterscheidet; nur im Falle von völlig scharfer Gleichheit besteht die Beziehung: /= l'. Eine physi- kalische Länge / dagegen ist etwas ganz anderes. Sei / z. B. die Länge eines Holzstabes, so kann diese Länge nur näherungsweise definiert werden; auch unter größter Mühewaltung bei der Her- stellung der glatten Enden des Stabes besteht bei genügend feiner Beobachtung doch eine gewisse Unsicherheit in der Definition dessen, was die ,,Länge" des Stabes sein soll. Zwischen zwei Holzstäben und kann daher niemals eine mathematische Gleichung / = l bestehen; das scharfe Gleichheitszeichen ver- liert hier seinen Sinn, und wir können nur ein physikalisches Gleichheitszeichen einführen, das näherungsweise Gleichheit bezeichnet, oder, was dasselbe ist, sehr geringe Ungleichheit zuläßt. Das physikalische Gleichheitszeichen, welches physika- lische Größen verbindet, schließt also Ungleichheit der Größen