22 A. Allgemeines r nicht ist, ist eine besondere Frage, die wir weiter unten be- handeln. Die Feststellung einer physikalischen Größe wird als Messung bezeichnet, und wir sprechen von Messungsfehlern oder Be- obachtungsfehlern; wir bringen damit die genannte, von den Wahrnehmungs- und Vorstellungsgrößen herrührende Unsicher- heit zum Ausdruck. Eine Messung ohne Messungsfehler, eine fehlerlose Messung, ist unausführbar und undefinierbar. Es ist eine besondere Aufgabe bei der praktischen Messung, die Ab- schätzung der Fehlergrenzen vorzunehmen. Mag z. B. die Feh- lergröße bei der Messung eines I m langen Tuchstreifens, die ein Schneider mit dem Bandmaß vornimmt, 2 mm betragen; die Meßgenauigkeit ist dann 2 pro Mille, d. h. die Länge des Tuch- streifens ist auf 2 pro Mille sichergestellt. Die Messung einer I m langen Glasröhre durch einen Techniker wird etwa 0,1 mm be- tragen, dann ist also die Meßgenauigkeit 1/10 pro Mille, die Meẞ- genauigkeit ist hier also größer als im vorigen Falle. Aufgabe der messenden Physik ist es, die verschiedenen physikalischen Grö- Ben so genau wie möglich zu messen und die technischen Meß- methoden immer weiter zu verfeinern. Welche Fortschritte hier im Laufe der Zeit erzielt wurden, mag kurz am Beispiel der Strecke erläutert werden: in früheren Zeiten maß man die Strek- ken einfach am menschlichen Unterarm, der ,,Elle"; die Ge- nauigkeit dieses Verfahrens wird nicht mehr als einige Prozent betragen haben. Heute mißt man im letzten Grunde alle Strecken am internationalen Normalmeterstab (Prototyp), der bei Paris aufbewahrt wird und auf I bis 2 Zehntausendstel eines Millimeters genau definiert ist, da die daraus abgeleiteten, nationalen Meter- prototype mit dieser Genauigkeit als wahrscheinlichem Fehler an das internationale Prototyp angeschlossen sind; die Meßge- nauigkeit beträgt also etwa 1/10 000 000 Neuere Bestrebungen, die darauf abzielen, den Normalmeterstab zu verwerfen und statt dessen eine bestimmte Lichtwelle als Urmaß zu definieren, wollen eine noch größere Genauigkeit erreichen. Das Vorhandensein der Meßfehler, d. h. in letzter Instanz ge-