Grenzen der Anschauungsfelder 15 - in diesem Sinne z. B. die Länge eines Stockes, die Helligkeit einer Lampe usw. Alle sind sich darüber einig, daß sehr große Strecken außerhalb unserer anschaulichen Vorstellungen liegen. So ist z. B. das in der Astronomie gebräuchliche Längenmaß, das Licht- jahr —, nämlich die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurück- legt, ungefähr 1013 km (in Worten: zehntausend Milliarden Kilo- meter), nicht mehr anschaulich vorstellbar; wenn wir hören, daß irgendein Fixstern 3 Lichtjahre von uns entfernt ist, so ist die Angabe nur noch abstrakt, begrifflich, und nicht anschaulich aufzufassen. Auch für sehr kleine Strecken, z. B. die Wellen- länge harter Röntgenstrahlen (10-9 cm, in Worten: ein tausend- millionstel Centimeter), fehlt jede anschauliche Vorstellung. Also ist ersichtlich, daß es Grenzen geben muß, innerhalb deren unsere anschaulichen räumlichen Vorstellungen eingeschlossen sind. Was nun die Grenzen der anschaulichen Vorstellung der Strecke anlangt, so können sie ungefähr angegeben werden. I cm kann sich jeder vorstellen, auch noch 1 mm, viele wohl auch noch ¹/10 mm. Es ist aber kaum glaublich, daß es jemanden gibt, der sich Größen von 1/1000 mm noch anschaulich vorstellen kann; alle Größen von dieser oder noch geringerer Kleinheit sind für unsere Anschauung nicht mehr voneinander verschieden, sondern ein- fach,,sehr klein". Die obere Grenze, zu der eine Strecke räum- lich,,angeschaut" werden kann, möchte ich bei etwa 100 km ver- muten; von dieser Entfernung wird ein Bergsteiger oder Luft- fahrer wohl noch eine anschauliche Vorstellung haben können. Bei Festsetzung dieser, natürlich individuellen Grenzen von 1/1000 mm und 100 km würde also die kleinste anschauliche Strecke zur größten im Zahlenverhältnis I: 1011 stehen. Bei Zeitdauern liegen die Verhältnisse analog. Wenn wir 1/10 Sekunde als die kleinste, 50 Jahre als größte von einem Erwach- senen noch anschaulich vorstellbare Zeitspanne nehmen, so ist das Zahlenverhältnis der Grenzen rund 1: 1010. Bei Gewichten werden wir etwa 1/10 g als unterstes, 1000 kg als höchstes, anschaulich vorstellbares Gewicht ansetzen können und kommen so zu einem Zahlenverhältnis von 1: 107. 2*