Wahrnehmung Wirklichkeitsstufe. Der zweiten Wirklichkeitsstufe kann man Glauben entgegenbringen, mehr nicht. Aber deshalb kann doch der Inhalt der zweiten Wirklichkeitsstufe wahr sein. Ein Beweis in der Naturwissenschaft ist etwas ganz anderes als ein Beweis in der Mathematik: letztere geht aus von unbe- wiesenen, für denkbar gehaltenen Voraussetzungen, also von Voraussetzungen, die etwas Denkmögliches zum Gegenstand ha- ben, und leitet aus solchen Voraussetzungen mittelst für richtig erachteter Schlußweisen Folgerungen ab. Der Beweis für eine Naturwahrheit aber steht auf direktem Wahrnehmen, das nicht nur denkmöglich, sondern außerdem wirklich ist. Vermag man den Rückgang auf die erste Wirklichkeitsstufe nicht anzutreten, so ist ein Beweis in der Naturwissenschaft überhaupt nicht zu führen; man kann dann allenfalls Annahmen machen, die man für Wirklichkeit erachtet, aber nur ein Mehr oder Weniger von Glauben für die Wahrheit der Annahmen, d. h. für die Wirklich- keit ihres Inhalts, beibringen. Die Wahrheit einer Annahme ist aber andererseits nicht dadurch widerlegt, daß ich nur meinen Glauben an sie vorbringe. Auf die Frage, was das Wirkliche in der Natur sei, sind die verschiedensten Antworten gegeben worden. Wie ausein- andergesetzt wurde, ist für uns in letzter Hinsicht das Wirkliche nur als das Wahrgenommene der ersten Wirklichkeitsstufe gegeben. Das Wirkliche der zweiten Stufe ist hypothetisch. Dieser Standpunkt ist im wesentlichen auch derjenige von Mach, welcher die Naturforscher darauf hinwies, daß unser Wahrneh mungsinhalt der Gegenstand der Naturforschung sei, und nicht irgendwelche,,Dinge an sich", die von unseren Empfindungen völlig losgelöst sind. Der Standpunkt Machs der Natur gegen- über wird bezeichnet als Positivismus oder als Phänomenologie. Man darf sich nicht dadurch irre machen lassen, daß die Sinnes- empfindungen häufig als unterste Stufe des Bewußtseins im Sinne einer untergeordneten, weniger edlen Stufe hingestellt werden, während das logische Denken oft als die oberste Stufe des Bewußtseins gilt. Man denke daran, daß bei allen Organismen