220 Achtzehntes Kapitel. Zielen und Richten. aufsätze ist noch hinzuweisen. Die letzteren legen die Flugbahn durch das Ziel, sofern alles richtig bestimmt ist. Der oben beschriebene legt den Sprengpunkt in die Ziellinie; auch dann, wenn die Tempierung falsch war. Die Vorteile in bezug auf Beobachtung und Ab- wehr sind augenscheinlich. Abb. 47. S S₂ Auf technische oder artilleristische Einzel- heiten wird nicht eingegangen; es kommt hier nur auf die mathematischen Grundgedanken an. § 103. Bewegte Ziele. Die Bewegung eines Zieles erfolgt nach drei Komponenten: Seite, Höhe, Entfernung. Die Veränderung von Seite und Höhe kann man ermitteln aus der Veränderung der Entfernung und der scheinbaren Ver- änderung nach Seite und Höhe. Die Entfernung ist nun immer das unsichere Element wegen der Mängel, die jedem Entfernungsmessen anhaften und deren Zeitdauer. Demgegenüber ist die Ziellinie und die Bewegung der Ziellinie viel genauer zu erfassen, was ja auch darin zum Ausdruck kommt, daß es nicht schwer ist Strich zu schießen, aber schwer die Entfernung richtig zu treffen. Außerdem ist gegenüber der etwas unsicheren Entfernung vollkommen sicher die Zünderstellung, mit der im Moment des Abschusses geladen ist, also die Sekundenzahl t zwischen Abschuß und Geschoßzerspringen. Demgemäß ist es von erheblichem Vorteil, erstens von der wirklichen Bewegung des Zieles nach Seite und Höhe abzusehen und statt deren die Bewegung der Ziellinie zu berück- sichtigen, und zweitens nicht die Entfernung des Zieles, sondern die Tem- pierung des Geschosses zugrunde zu legen, in der Weise, daß bezweckt wird, den Sprengpunkt in die Ziellinie zu bringen. Beträgt die Geschoß- tempierung t Sekunden, so muß man am Visier in Richtung der schein- baren Zielbewegung so viel vorhalten, als sich die Ziellinie in t Se- kunden in dieser Richtung bewegt. Um diesen Betrag zu messen, werde ein Stab von 13 mm Dicke in Armlängenabstand (ca. 65 cm), so daß also seine scheinbare Dicke 1000 20 Teilstriche ist, senkrecht zur schein- baren Bewegungsrichtung des Zieles vor das Auge gehalten, eventuell mit Auflegen. Mißt man die Zeit, die das Ziel hinter dem Stab passiert, mit einer Fünftel-Sekundenuhr oder durch schnelles Zählen, so gibt die ge- fundene Zahl n von Fünftel-Sekunden in 100 dividiert die Winkelgeschwin- digkeit des Zieles in Teilstrichen pro Sekunde. · 1,3 65 -- Das t-fache dieser Geschwindigkeit ist das Vorhaltemaß in Teil- 100 t strichen, also Um aber den Übergang vom Messen zum Zielen n