§ 98. Sprenggeschosse. 209 wo der Integrationsweg L den singulären Punkt = 0 nicht umschließen darf. Die Brauchbarkeit dieses Ansatzes wäre an der Erfahrung zu prüfen. *) § 98. Sprenggeschosse. Das Sprenggeschoß enthält außer seiner kinetischen Energie T noch die potentielle Energie seiner Sprengladung, die nach S. 178 zu berechnen ist. Ein Teil dieser Energie dient zum Zerreißen des Geschosses. Die übrige Energie liefert größtenteils die Energie der Sprengteile, ein kleinerer Teil liefert Wärme und Schall. Es ist unrichtig anzunehmen, daß die Drehwucht des Geschosses sich als Drehwucht der Sprengteile wiederfindet. Ob ein Sprengteil Dreh- wucht erhält, hängt davon ab, ob die Energieübertragung zentral oder mit,,Effet" erfolgt, wie beim exzentrischen Stoß auf die Billardkugel. Die Erfahrungen (Verletzungen durch Sprengteile, Eindringen von Spreng- teilen in Holz) sprechen dafür, daß jedenfalls die Drehwucht der Spreng- teile verhältnismäßig sehr gering ist; wie dies ja auch schon beim Geschoß der Fall war (s. S. 158). Lassen wir also dieses kleine und unsichere Ele- ment, ebenso wie die Wärme- und Schallerzeugung u. dgl. beiseite. Das Problem: die Energieverteilung in den Sprengteilen zu finden, vereinfacht sich weiter durch Anwendung des Satzes von der Erhaltung der Bewegung des Schwerpunktes. Danach darf man von der Bewegung des Schwerpunktes zunächst absehen, und nach Ermittlung der Bewegung der Sprengteile das ganze System derselben so bewegen, daß der Schwer- punkt des Systems die Flugbahn des Geschosses beschreibt. Das ist insofern nicht ganz korrekt, als ja der Luftwiderstand die Gesamtheit der einzelnen Sprengteile etwas anders beeinflußt als das unzersprengte Geschoß. Wollte man dies berücksichtigen, so könnte man die Flugbahn des Schwerpunktes der Sprengteile mit einem etwas anderen Formkoeffi- zienten berechnen. Wir sehen hiervon ab, weil es sich bei den Bahnen der Sprengteile um so kurze Strecken handelt, daß dieselben meist als grad- linig anzusehen sind. Damit ist zugleich begründet, daß wir auch von der Schwerkraft absehen dürfen. Es handelt sich jetzt um die Geschwindigkeit der Sprengteile in einer Schnittebene senkrecht zur Geschoßachse. Hat der Teil die Ent- fernung R von der Geschoßachse, so ist Rr seine aus der Drehgeschwin- digkeit r des Geschosses entstehende Tangentialgeschwindigkeit. Darin ist die Winkelgeschwindigkeit r etwas kleiner als ihr Anfangswert ro, etwa bis davon (Heydenreich). Von der Sprengladung wird angenommen, daß sie allen Teilen eine ungefähr gleiche Radialgeschwindigkeit Ver- teilt. Außerdem eine Komponente V in Richtung der Geschoßachse, *) S z. B. die Messungen von C. Ramsauer, Diss., Kiel 1903. Vahlen, Ballistik. 14