156 Dreizehntes Kapitel. Der Drall. 2xR Abb. 37. in die sich die Züge einschneiden. Man mußte also von glatten zu „,ge- zogenen" Rohren übergehen. Die schraubenförmige Windung der Züge heißt der Drall. Als Maß des Dralles nimmt man entweder die,,Drall- länge" oder den „Drallwinkel". Die Drallänge ist die Länge, die einem vollen Umlauf der Züge oder einer vollen Umdrehung des Geschosses entspricht. Der Drallwinkel ist der Winkel unter dem die Züge die Geraden der zylindrischen Seele schneiden. Ist D der Drallwinkel, 2 R das Kaliber in Metern, so ist also tgD gleich 2 TR divi- diert durch die Drallänge in Metern, oder gleich dividiert durch die Drallänge in Kalibern. Das ergibt sich durch Aufbiegen der Seele zu einem Rechteck von der Länge des Rohres und der Breite 2π R, in dem die Züge in gerade Linien übergehen, die gegen die Längsseite um D geneigt sind. Diese Überlegungen gelten für den gleichbleibenden Drall. Beim wachsenden Drall wächst der Winkel D, in der aufgebogenen Seele werden die Züge krumme Linien, deren Neigung gegen die Längsseite vom Anfang bis zur Mündung wächst. Für die Stabilität des Geschosses kommt es auf die Drehwucht an, mit der es das Rohr verläßt, also auf den Enddrall. Der danach gewählte Enddrall bestimmt beim gleichbleibenden Drall diesen von Anfang an, Infolgedessen wurde das Geschoß am Anfang durch den Druck der Pulver- gase auf Druck und zugleich durch den Drall auf Torsion so stark bean- sprucht, daß Rohrplatzer vorkamen. Das war der Grund zu wachsendem Drall überzugehen. Man setzte den Anfangsdrall so weit herab, daß Rohr- platzer nicht mehr vorkamen, und ließ den Drall vom Anfang zum Ende gesetzmäßig wachsen. Beim Übergang zum wachsenden Drall mußte man zur Vermeidung von Torsionsbeanspruchungen den vorderen Führungsring durch einen ,,Zentrierwulst" ersetzen, in den sich die Züge nicht einschneiden, der aber mit dem hinteren Führungsring die axiale Führung des Geschosses sichert. § 67. Geometrische Drallgesetze. Kreisdrall. Parabolischer Drall. Solange keine weitere Bedingung gestellt wird, kann man das Gesetz, nach welchem der Drall wächst, ziemlich willkürlich wählen. Die ein- fachste Annahme war, daß die Züge nach der Ausbreitung der Seele in eine Ebene Kreisbögen werden, die die schmalen Kanten des Rechtecks unter gegebenen Winkeln schneiden:,,Kreisdrall". In der Tat kann man einen Kreisbogen bestimmen, der zwei Parallele unter gegebenen Winkeln schneidet. Man schneide nämlich umgekehrt einen Kreis mit zwei Paral- lelen unter den gegebenen Winkeln und setze nachträglich den Maßstab der Figur so fest, daß der Parallelenabstand die Seelenlänge gibt.