Erstes Kapitel. Einführung. Koordinaten. Koordinaten. Erdkrümmung. § 1. Aufgabe und Einteilung. Ballistik ist die Lehre vom Schuß oder Wurf eines schweren Körpers, des Geschosses, im Luftraume. Sie ist als Zweig der Mechanik eine teils empirische, teils deduktive Wissenschaft. Wir behandeln hier haupt- sächlich den deduktiven oder mathematischen Teil. Die Zeit, in der auf das Geschoß nur die Schwerkraft und der Luftwiderstand wirken, behan- delt die,,äußere" Ballistik. Als Anfangspunkt der (äußeren) Bahn ist der erste Punkt zu bezeichnen, von dem ab nur noch diese beiden Kräfte auf das Geschoß wirken. Die Zeit vom Anfang der Geschoßbewegung an bis zu dem Zeitpunkt, in dem das Geschoß anfängt aus dem Rohre auszutreten, behandelt die ,,innere" Ballistik. Die Zwischenzeit vom beginnenden Austritt bis zu dem Zeitpunkt, in dem die nachdringenden Pulvergase auf das Geschoß nicht mehr wirken, ist besonders wichtig für den Bewegungszustand des Geschosses im Anfangspunkt seiner Bahn. Sie wird im Kapitel XIV des vorliegenden Buches zum erstenmale einer besonderen Betrachtung unterzogen und dort als „Übergangsballistik“ bezeichnet. In der äußeren Ballistik genügte bisher die Annahme, daß die Erde eine ebene, unbewegte Scheibe ist, daß die Schwerkraft nach Größe und Richtung, und daß das Luftgewicht, von dem der Luftwiderstand ab- hängt, längs der ganzen Flugbahn konstant sind. Erst in neuerer Zeit mußte man Schußweiten und -höhen berücksichtigen, für die diese ver- einfachenden Annahmen nicht mehr genau genug sind. Man kann daher der älteren Ballistik, als ,,niederen" oder „,tellurischen" (von tellus = Scheibe) die neuere als ,,höhere" oder ,,kosmische" hinzufügen. Die kosmische wird im Kapitel XII des vorliegenden Buches zum erstenmale systematisch behandelt. Das Problem der kosmischen Ballistik wird namentlich unter der Voraussetzung gelöst, daß die störenden Einflüsse, durch die sie sich von der tellurischen unterscheidet, wie kleine Größen behandelt werden können. In noch höhere Sphären dringen unsere Ge- schosse noch nicht; dort ziehen die Meteore ihre Bahnen, deren Berechnung zu den Aufgaben der Himmelsmechanik gehört. Vahlen, Ballistik. 1